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Transalp 2009

17.07.-22.07.2009

Lenggries nach Torbole

456 km, 10469 hm, 6 Etappen

GPS-Daten zum downloaden

Nachdem ich letztes Jahr wegen Haus-Kauf / Renovierung / Umbau transalpmäßig zum Pausieren gezwungen war, ging's dieses Jahr wieder per Fahrrad über die Alpen. Schon recht früh haben wir mit der Planung begonnen und sogar einen für alle passenden Termin gefunden.

Die Truppe war diesmal 6 Mann stark. Dabei waren die üblichen Verdächtigen Gunther, Jürgen (Gonzo), Andreas und ich. Auch Seppl war wieder dabei. Als Rookie ging diesmal Oliver an den Start. Dirk konnte leider wegen Babypause und Nachwehen einer Antibiotikum–Behandlung nicht dabei sein.

Nach langem Hin und Her haben wir uns für eine Tour aus dem Buch von Achim Zahn entschieden. Von Lenggries bis zum Gardasee sollte es gehen, mit den Highlights Schneebergscharte und Eisjöchl.

Wegen der eher schlechten Erfahrungen mit dem Spätsommer-Wetter in den Alpen aus den letzten Jahren haben wir uns diesmal dazu entschlossen, etwas früher zu starten, um Schnee und Eis aus dem Weg zu gehen. Mit eher mäßigem Erfolg, wie man weiter unten im Text lesen kann.

 

16.7.09 Anreise

Die Logistik der Anreise gestaltete sich wegen individueller Bedürfnisse ziemlich schwierig. Deshalb reisten wir 6 Figuren mit sage und schreibe 5 Autos an. Als ich gegen 21:30 am Gästehaus Heiß in Lenggries eintraf waren demzufolge die Parkplätze schon alle belegt. Meine Mitstreiter waren schon eingetroffen und stärkten sich bereits in einer nahe gelegenen Gastwirtschaft mit fester und flüssiger Nahrung. Auch für mich hat's noch zu einer Kleinigkeit gereicht, bevor wir den Rückweg zum Gästehaus antraten.

Die Wetteraussichten für den nächsten Tag reichten von Sonne am Vormittag bis hin zu Hagelstürmen gegen Abend. Früh ins Bett und so bald wie möglich losfahren war deshalb die Devise.

 

17.7.09, Lenggries – Lanersbach, 109 km, 2346 hm auf, 1723 hm ab, 9:58 min

Die Nacht verlief ruhig und das Frühstück war ok. Die Wirtin bestätigte die apokalyptischen Wettervorhersagen und trug so nicht wirklich zur Steigerung der Laune bei. So beeilten wir uns, unseren Krempel zusammenzupacken und die Autos zu einem gebührenfreien Parkplatz in der Stadt zu bringen. Dort wurden noch die Kompasskarten für die Tour brüderlicht aufgeteilt, und dann ging es auch schon los.

Da keiner von uns auf Hüttenübernachtungen steht, haben wir die Zahn-Route so gepimpt, dass wir die Nächte im Tal verbringen können. Wir hatten in den letzten Jahren festgestellt, dass dort zwar die Übernachtung etwas teuerer ist, dafür das Essen aber deutlich günstiger und besser. Bei den enormen Mengen, die wir allabendlich in uns reinschaufeln ein nicht zu vernachlässigendes Argument.

Um also die Übernachtung in der Weidener Hütte zu vermeiden, beschlossen wir das Plumsjoch auszulassen und stattdessen am ersten Tag noch über das Geiseljoch zu gehen. Es ging also zunächst auf Straße bzw. Radweg zum Achensee und an diesem entlang und runter ins Inntal. In Schwaz füllten wir an einer Tankstelle nochmals unsere Radflaschen und bedachten die ebenfalls dort rastenden Rennradler ob ihres langbeinigen Begleitfahrzeug-Personals mit neidvollen Blicken. Aber es half nichts, wir müssen unseren Krempel weiterhin selbst schleppen. Ab Weerberg ging's dann langsam bergauf auf Asphalt Richtung Weidener Hütte. Die erste Bergwertung sozusagen.

 

 

Am Abzweig auf die Forstautobahn war Sammeln angesagt. Nur so zum Zeitvertreib versenkte Seppl beim Fotografieren mit Selbstauslöser seine Kamera in einem metertiefen Brennnessel-Loch. Die schlussendlich erfolgreiche Suche danach gestaltete sich schwierig, aber für die unbeteiligten Zuschauer durchaus unterhaltsam.

Wieder komplett ging's dann weiter zur Weidener Hütte. Dort haben wir uns für den kommenden Anstieg zum Geiseljoch noch mal gestärkt. Es hatte zwar zwischenzeitlich etwas geregnet, aber jetzt war es wieder trocken, von oben jedenfalls. Auf der Sonnenterrasse linste sogar ab und an die Sonne hervor. Gestärkt ging's auf Singletrial zum Geiseljoch, durchweg fahrbar, aber knackig. Entlang der Strecke waren Wegweiser für die Jeantex Transalp Challenge angebracht, die zwei Tage nach uns startete.

Die Abfahrt nach Vorderlanersbach verlief zunächst auf gut fahrbarem Singletrial, dann auf breitem Schotterweg. Irgendwie hat das Geholper meinem Garmin so zugesetzt, dass es für den Rest der Tour nur noch als Ballast im Rucksack taugte. Zum Glück hatten wir noch ein Zweitgerät dabei.

Wegen der Länge der Etappe hatte Gonzo für die erste Nacht in Lanersbach schon 3 Doppelzimmer klar gemacht. Gerade noch vor dem großen Wolkenbruch schafften wir es zur Alpenrose nach Lanersbach. Die schon etwas feuchten Regenklamotten hängten wir gleich in den Heizraum, bevor wir uns im Gastraum ein Bierchen gönnten. Das allabendliche Ritual "Duschen und Klamottenwaschen" stand nun auf dem Plan, bevor wir bei mittlerweile starkem Regen zu einer Gaststätte in der Nähe schlappten zum abendlichen Auftanken der Kohlenhydrat-Speicher. Essen war ok, Bier auch.

Als wir zurück zur Alpenrose gingen, regnete es immer noch sehr stark. Die Wetterfrösche in der Glotze mahnten zur Vorsicht in den Bergen und sprachen von sinkender Schneefallgrenze. Die Aussichten waren schon mal rosiger…

 

18.7.09, Lanersbach – Sterzing, 48 km, 1171 hm auf, 1802 hm ab, 7:02 min

Der erste Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Wetterfrösche sich ausnahmsweise mal nicht geirrt hatten. Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel. Noch blieb hier im Tal nichts liegen, aber je weiter der Blick bergwärts wanderte, umso weißer wurde die Landschaft. Ratlose Diskussionen beim Frühstück, immerhin sollte es auf gut 2300 m übers Tuxer Joch gehen. Ein Anruf bei der Tuxer Joch Hütte sollte Aufschluss über die Wegbeschaffenheit geben. 5 cm matschiger Neuschnee, so die Auskunft der Hüttenwirtin. Kein Problem für uns, dachten wir. Mit leichtem Rucksack (alles, was warm hält, hatten wir angezogen) ging's auf der Straße nach Hintertux. Der Schneefall wurde immer stärker und so versuchten wir uns mit einem fröhlichen Liedchen bei Laune zu halten und trällerten eine Abwandlung von "3 Chinesen mit dem Kontrabass" (6 Idioten auf dem Mountainbike). Da einige warme Kleidungsstücke dem Gewichtsparwahn zum Opfer gefallen waren, war dort allerdings erst mal Shopping angesagt. Ein warmer Skipulli für mich und lange Handschuhe für Oli und Andreas sollten die winterliche Witterung erträglich machen. An der Seilbahnstation trennten Oli und ich mich vom Rest der Truppe. Die vier wollten mit der Seilbahn bis zur Sommerberg-Alm fahren. Oli und ich wollten es uns nicht nehmen lassen, das Tuxer Jochhaus mit Muskelkraft zu erklimmen.

 

Saukalt war es, und je steiler es wurde, umso schwerer fiel es, ausreichend Grip für den Vortrieb zu finden. Mittlerweile lagen gut 30 cm Neuschnee und an Fahren war zeitweilig nicht zu denken. So ging's halt per pedes weiter. Nachdem wir die Bergstation der Seilbahn passiert hatten, sahen wir entfernt im Schneegestöber auch die restlichen Vier, die sich vor dem Aufstieg von der Bergstation zum Jochhaus noch eine wärmende Suppe in der Seilbahnstation gegönnt hatten. Knietief stapften wir durch den Schnee und erreichten durchgefroren die Tuxer Jochhütte. Die nassen Klamotten deponierten wir im Vorraum und tranken erst mal etwas Warmes.

Der Gastraum der Hütte war voll mit frustrierten Wanderern, die hier wetter-bedingt Zwangspause machten. Aus Langeweile hatten die Wanderer schon zwei mannshohe Schneemänner vor der Hütte gebaut, die wir als Requisite für ein Gruppenbild nutzten. Noch planten wir den Abstieg nach Kasern, obwohl die Hüttenwirtin uns abriet. Doch beim Versuch, den Weg zu finden, stellten wir fest, dass dieser im Schnee komplett unsichtbar war. Trotzdem wollten wir es wagen, schließlich hatten wir den Track auf GPS. Allerdings hatte der eine oder andere ernste Bedenken, und so beschlossen wir nach einigem Überlegen, das Unternehmen abzubrechen. Ein Plan B musste her, und der sollte nicht "Hüttenübernachtung" heißen. Also zurück nach Hintertux. Gunther, Oli und ich surften mit dem Radl bergab, der Rest nahm die Seilbahn.

Das Fahren im tiefen Schnee funktionierte zunächst überraschend gut. Gunther beklagte zunächst mangelnde Bremswirkung seiner Felgenbremse, aber anscheinend hat er sich nach und nach daran gewöhnt, und so ging's relativ flott bergab. Weiter unten ging der Schnee in Matsch über. Zusammen mit den Hinterlassenschaften der eilig von der Weide in den Stall getriebenen Rindviecher ergab sich so eine übel riechenden Pampe, die sich beim flotten Durchfahren mangels Schutzblech gleichmäßig über Klamotten und Radl verteilte… lecker!

Zeitgleich mit den Gondelfahrern kamen wir in Lanersbach an. Der Plan war, auf Straße nach Mayerhofen zu düsen und von dort mit der Bahn zunächst nach Innsbruck und von dort nach Gries am Brenner zu fahren. Die Alpensüdseite versprach nämlich besseres Wetter.

Je weiter wir talwärts kamen, umso wärmer wurde der Regen und das aufspritzende Wasser von der Straße. Trotzdem fror zumindest ich ziemlich. Am Bahnhof angekommen suchten wir eine passende Verbindung aus und die ersten besorgten schon Fahrkarten, während Gunther und Oli einen Plan C ausheckten. Taxi bis nach Sterzing war die Idee. Überraschenderweise gelang es sogar, einen Taxifahrer zu finden, der einen Rad-Anhänger und einen Kleinbus besaß. Gegen einen entsprechenden Obolus war er bereit, uns die immerhin 115 km über die Grenze zu karren. Schnell waren die Bikes verladen. Im Bus verbreitete sich rasch ein beeindruckender Gestank aus Schweiß und Kuhscheiße. Die Gesichtsfarbe des Fahrers verblasste deshalb zunehmend und nach einiger Zeit wusste er sich nicht anders zu helfen, als unter Vortäuschung einer Pinkelpause frische Luft zu tanken. Danach ging's flott weiter nach Sterzing. Wir hofften auf ein schnellen Erfolg bei der Hotelsuche, aber leider fand dort gerade ein Motoradtreffen statt, und so waren die Hotels in der Stadt ausgebucht. Ca. 5 km außerhalb Richtung Freienfeld wurden wir dann im im Hotel Saxl fündig. Ein ziemlich großer Bunker mitten im Nirgendwo. Der erste Eindruck war nicht gerade der Beste, aber Zimmer und Essen waren wirklich ok. Auch das Service-Personal wurde zunehmend freundlicher, als wir nach dem Halb-Pensions-Menü noch eine riesige Schinkenplatte und die eine oder andere Flasche Lagrein (den feinen Mori-Gries) bestellten.

Mir allerdings bereitete das Sitzen ziemliche Probleme. Das nasse Mikro-Klima unter der Regenhose und meine in die Jahre gekommene lange Radelhose haben mir Oberschenken und Arschbacken wund gescheuert. Hoffentlich wird das bis morgen wieder… Sprühpflaster und geborgte Wundsalbe von Seppl sollte helfen… Weinselig ging's jedenfalls zu Bett, nicht ohne noch mal nach den zum Trocknen aufgehängten Klamotten im Heizraum zu schauen.

 

19.7.09, Sterzing – Lana, 79,6 km, 1157 hm auf, 1778 hm ab, 7:41 min

Erleichterung beim Blick aus dem Fenster… Sonne! Trotzdem waren die höheren Lagen noch eine Winterlandschaft. Wir beschlossen deshalb für heute anstatt über die Schneebergscharte zu gehen eine geruhsame Etappe bis Lana einzulegen.

Schon beim Anziehen zum Frühstück merkte ich, dass meine neue und sündteure Radhose nicht kompatibel mit meinen wund gescheuerten Hautstellen war, trotz Sprühpflaster und Wundsalbe. Die einzige Möglichkeit zur Weiterfahrt bot meine topmodische Boxershorts (mit Eingriff), die ich als nächtliches Beinkleid bei einem namhaften Kaffeeröster erstanden hatte. Das sah zwar ziemlich dämlich aus, aber so konnte ich bei entsprechender O-Bein-Stellung relativ schmerzfrei gehen und strampeln.

Das Frühstück war ok, die Rechnung ob der abendlichen Freßorgie eindrucksvoll, und los ging's zunächst zurück nach Sterzing und von dort auf einer Schotterfahrstraße durch das Ratschings-Tal bergan. Eine idyllische, aber nicht bewirtete Berghütte am Wegesrand lud zur Rast mit tollem Ausblick und wärmenden Sonnenstrahlen ein. Weiter ging's dann bergan zunächst auf schmaler werdendem Weg, dann in direkter Falllinie auf einer Skipiste Richtung Wasserfaller Alm. Diese gemütliche, bewirtete Berghütte konnten wir einfach nicht links liegen lassen. Da wir fast nur noch bergab rollen mussten, legten wir hier eine ausgedehnte Rast mit Nudeln und Radler ein. Zum Abschluss spendierte der Wirt noch ein Schnäpschen, das für die nötige Lockerheit bei der folgenden Abfahrt sorgen sollte. Zunächst ging's noch ein paar Höhenmeter bergauf, bevor wir auf die Straße des Jaufen-Passes trafen. Die Abfahrt wurde von den vielen Autos und Motorrädern ziemlich behindert, aber den einen oder anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer konnten wir doch überholen.

Dann ging's durchs Passeier Tal. Eigentlich wollten wir in Moos im Passeier nächtigen und am nächsten Tag über das Eisjöchl zu gehen. Die Schneelage über 2500 m war aber immer noch kritisch und so beschlossen wir, auf dem Radweg weiter nach Meran entlang des Flusses Passer zu radeln. Irgendwie haben wir uns durch Meran gewurstelt und fuhren auf dem Radweg nach Lana. Dort hatte sich Gunther bei einer früheren Geschäftsreise schon einmal im Hotel Tiefenbrunn einquartiert, deshalb versuchten wir es gleich dort. Wir hatten Glück, es waren noch 3 Doppelzimmer frei. Nach dem Wäsche-Waschen und Duschen gönnten wir uns noch ein Bierchen am Pool, bevor wir ein gutes Halbpension-Abendessen auf der Hotelterrasse genossen. Ein paar Gläschen Wein später machten wir uns auf in die Falle. Ein Teilnehmer allerdings legte noch einen halsbrecherischen Kletterstunt von Balkon zu Balkon ein, um die Kollegen im Nebenzimmer etwas zu erschrecken. Ansonsten verlief die Nacht ohne weitere Zwischenfälle.

 

20.7.09, Lana – Male, 67,6 km, 2240 hm auf, 1767 hm ab, 8:57 min

Schon wieder Sonne! Nach Frühstück und Abschiedsfoto mit Wirt radelten wir auf bekannten Pfaden (die Etappe hatten wir 2007 schon gefahren) durch das Ultental auf Straße nach St. Gertraud. Die ca 30 km bergan kamen uns dieses Jahr aber deutlich kürzer vor und so versammelten wir uns an gewohnter Stelle in St. Gertraud zur Aufnahme von Kohlenhydraten für den kommenden Aufstieg auf das Rabbi-Joch. Weiter ging's zunächst auf Schotter-Fahrweg bis zur Bärhapp-Alm, danach waren noch ein paar Höhenmeter schiebend zu bewältigen und schon hatten wir das Rabbi-Joch erklommen. Der Abstieg zur Haselgruber Hütte ist recht kurz und war für uns nicht fahrbar. Dort stärkten wir uns noch mal für die tolle Abfahrt nach Male, die zunächst als Single-Trail eine Almwiese quert und  sich dann etwas breiter werdend Richtung Tal schlängelt.

Unsere erste Anlaufstelle zum Nachtlager was das Hotel Henriette, wo wir schon 2007 übernachteten. Im Hotel selbst gab es keine Zimmer mehr, aber in einem typisch italienisch heruntergekommenen Haus gegenüber konnten wir noch ein 3-Zimmer-Appartment ergattern (hat in diesem Falle rein gar nichts mit "apart" zu tun). Egal, duschen, Klamotten waschen und ab auf die Rolle. Das Ziel war eine Pizzeria im Ort, die wir schon 2007 heimsuchten und wo wir auch dieses Jahr ganz passabel speisten. Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch ein Eis in einer Eisdiele, bevor wir in unser Luxusdomizil zurücklatschten. Die Hauptstraße verlief eigentlich direkt an unseren Fenstern vorbei, aber wenn man die Augen schloss, hatte man den Eindruck, die Brummis fahren geradewegs durch's Schlafzimmer. Ich hab trotzdem gut geschlafen…  

 

 

21.7.09, Male – Lago di Tovel, 47,56 km, 1740 hm auf, 1288 hm ab, 8:29 min

Die erste Herausforderung des Tages hatte sich schon am Vorabend abgezeichnet… eine Toilette für 6 Radler ist definitiv zu wenig. Hier war kluges Taktieren angesagt…

Wer sich gelegentlich deprimiert aus der Dorf-Disco schleicht, weil er sich angesichts des jungen Gemüses dort ziemlich alt vorkommt (O-Ton: Jetzt kommen die Alten schon zum Sterben auf die Tanzfläche…), findet im Frühstückssaal des Hotels Henriette die ideale Therapie. Der Altersschnitt dort dürfte gut dreistellig sein, und so fühlt man sich auch in gesetzterem Alter plötzlich wieder jugendlich. Es ist eben alles relativ, auch das Alter… Frühstück an sich war ok. Gestärkt rollten wir auf dem Radweg Richtung Dimaro und von dort auf einem ausgewiesenen Radweg Richtung Madonna di Campiglio. Die Strecke ist Teil des neu veröffentlichten Brenta-Bikereviers und führt bergan durch schmucke Wälder und entlang tiefer Schluchten. Kurz nach der Malga C.C.Magno zweigt der Radweg zum Rifugio Graffer links ab. Der Anstieg startet recht sanft, wird aber allmählich immer steiler, sodass wir anständig ins Schwitzen kamen und zwei- oder dreimal absteigen mussten. Nur Seppl hatte letzte Nacht offensichtlich zu nahe an der Steckdose gepennt und hat die ganze Strecke hoch gekeult. Im Rifugio Graffer erholten wir uns etwas und gönnten uns ein paar Nudeln für die letzten 200 hm zum Passo del Groste. Gunther schüttete noch ein paar Hektoliter Apfelschorle in sich rein und weiter ging's zum Passo, welcher dann auch schnell erreicht war. Der Ausblick über die Brenta ist von dort wirklich seht beeindruckend.

Weiter ging's zum Lago di Tovel. Eigentlich nur noch runterrollen, so die Hoffnung einiger. Ich bin dort vor ca. 12 Jahren schon einmal in umgekehrter Richtung gegangen, und wusste deshalb, dass da mit "rollen" nicht viel zu machen ist. Die Abfahrt bzw. der Abstieg bis zur Malga Pozzol di Flavola hat uns dann auch gut und gerne zwei Stunden beschäftigt. Gelegentlich haben wir versucht, ein paar Meter zu fahren, vor allem Oli war diesbezüglich ziemlich motiviert. An einer Felskante ist er dann mit dem Vorderrad hängen geblieben und hat sich gelöffelt. Nicht wirklich schlimm, aber leider ist dabei sein schöner neuer Merida 96 Carbonrahmen mit dem Unterrohr recht unglücklich auf einen dicken Stein gefallen und hatte einen ziemlichen Schaden (ca. 10 Cent-Stück groß, Delle mit vermutlich gerissenen Fasern). Zum Glück hat Oli eine "Rund-um-Sorglos"-Versicherung für das Radl abgeschlossen, und so war die Laune nicht ganz im Keller, zumal er mit dem Radl weiterfahren konnte.

Seppl hatte wohl das Pech, die Radflasche an einer eher ungünstigen Stelle aufzufüllen. Jedenfalls war für den Rest der Tour der "flotte Otto" sein permanenter Begleiter.

Ab der Malga Pozzol di Flavola ging's dann auf Fahrstraße bis zum Lago di Tovel. Angesichts der etwas mageren Betten-Situation hatten wir im Vorfeld etwas Bedenken, ob wir vor ort eine Unterkunft finden würden. Zum Glück hat es dann aber auf Anhieb im Albergo Lago Rosso geklappt. Drei Doppelzimmer, zwei davon allerdings kaum größer als das Doppelbett. Waschbecken auf dem Zimmer, aber Etagen-Dusche und Toilette. Gunther hat sich in der Wäschekammer erst mal ein Leintuch geklaut, damit wenigstens jeder sein eigenes Deckbett hatte. Dann hieß es Anstehen zum Duschen.

Das Halbpensions-Abendessen war recht lecker, es gab Nudeln, dann Fisch. Zusammen mit ein paar Gläschen Hauswein sehr geniesbar.

Nach dem Abendessen genossen wir noch etwas die Ruhe und etwas Rotwein auf der Terrasse am See, bis ein paar Jungs am Tischfussball einen derartigen Radau veranstalteten, dass wir uns zeitig vom Acker machten. Die Nachtruhe wurde diesmal nicht von donnernden LKWs gestört.

 

22.7.09, Lago di Tovel – Torbole, 103,7 km, 1815 hm auf, 2879 hm ab, 9:47 min

Heute ist unsere letzte Fahretappe! Das Frühstück war diesmal etwas spärlich. Leider gab es nur typisch italienisches Weißbrot ohne jeglichen Nährwert. Müsli war auch Fehlanzeige.

Zunächst stand der Passo Termoncello auf dem Programm. Gunther, Oli und ich wollten uns diesen zur Brust nehmen, während Gonzo und Seppl, der noch immer litt, den Weg außen herum über die Straße wählten. Leider haben wir den Treffpunkt auf der anderen Seite nicht so besonders präzise abgestimmt. Auch war nicht so ganz klar, welchen Weg Andreas nehmen wollte. Er hat sich schließlich für die Straßen-Version entschieden. Leider hatte er aber die Karte für den heutigen Tag im Rucksack. Die hätten wir Offroadler auch gut gebrauchen können…

Wie dem auch sei, Zahn meint, die ersten 300 hm zum Termoncello sind fahrbar, der Rest ist Schieben/Tragen. Das kann man so auch bestätigen. Wir haben fälschlicher Weise schon nach ein paar hundert Metern den Wanderweg anstatt den Fahrweg gewählt, und so kamen wir in den Genuss von ein paar Extra-Schiebe-Metern.

Oben angekommen hat Gunther erst mal ein Bad im Wassertrog der Almkühe genommen. Der Salzbedarf dieser Rindviecher dürfte deshalb bis auf Weiteres gedeckt sein. Nach einem letzten Blick zurück auf die Felswände der Brenta ging's auf ultrasteilem Schotterweg abwärts. Nach ein paar hundert fahrbaren Höhenmetern bogen wir auf ein asphaltiertes Sträßchen, auf dem wir ins Tal schossen. Trotz gelegentlichem Päuschen zum Bremsenkühlen, riss an Gunthers Vorderrad beim Anbremsen auf eine Kehre das Ventil ab… also Schlauch tauschen und vorsichtig weiter gen Tal rollen.

Je weiter talwärts wir kamen, umso wärmer wurde es. Wir trafen in Denno auf eine Teerstraße, aber wo genau wollten wir uns noch mal mit den anderen Drei treffen? Karte wäre nicht schlecht…Vielleicht mal anrufen? Unglücklicher Weise hatten die Kollegen ihre Handys aus… also Simsen. Irgendwann kam dann auch eine Antwort und wir warteten vor Sporminore im Schatten auf die anderen. Mittlerweile war es nämlich recht warm geworden.

Wiedervereint rollten wir weiter abwärts nach Crescino und haben dabei die Abfahrt nach Spormaggiore verpasst. Also 200 Extra-Höhenmeter auf dem Weg nach Andalo. Angesichts der schon fortgeschrittenen Uhrzeit entschieden wir uns für die Straßenvariante. In Andalo gab's noch mal eine kurze Rast mit Apfelschorle und Kuchen, bevor wir über Molveno entlang des Molveno-Sees auf schönen Trial nach Neblia und dann höhengleich über eine Panorama-Straße auf Schotter und dann abwärts auf Kopfsteinpflaster zum Lago di Tobolino rollten. Das war's also, jetzt nur noch entlang des Sacre nach Torbole rollen.

Gegen 18:30 sind wir dann endlich in Torbole angekommen. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, nach einem Alpencross versifft und verschwitzt am Gardasee anzukommen. Man fühlt sich angesichts der Schicki-Micki-Carbon-Titan-Beryilium-Biker dort recht elitär… als richtiger Biker eben, der einen Berg auch ohne Shuttle bezwingen kann. Wenn's brennt auch in der TCM-Unterhose (mit Eingriff). Darauf erst mal einen Dujardin, oder besser gleich ein Weizen. Noch schnell zuhause anrufen, dann vielleicht noch'n Bierchen und ein paar Spagetti Pomodoro. Gunther hat sich die Wartezeit auf die Nudeln etwas verkürzt, indem er mal kurz in den Lago gehüpft ist.

Wir hatten natürlich kein Zimmer gebucht, und deshalb haben  wir beim Bestellen einfach mal die Bedienung gefragt, ob das Etablissement auch über freie Doppelzimmer verfügt. Nach einigem Hin und Her ergatterten wir die angeblich letzten drei Zimmer. Wir haben also im Hotel Geier in Torbole eingecheckt, dann Duschen und los zum Surfers-Grill, unserer Standard-Adresse für den ersten Abend am Lago. Essen war wie immer topp, danach noch ein paar Caipirinha's (http://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha) draufgeschüttet. Müde ging's um ca 01:00 Uhr zu Bett. Nur zwei haben's etwas länger ausgehalten, und so wurde ich gegen 4:00 Uhr von Rufen vor dem Fenster wach, ich möge den Herrschaften doch Einlass durch die Hotel-Tür gewähren.

 

23.7.09, Ruhetag am Gardasee

Erstmals in unserer langjährigen Transalp-Karriere haben wir uns den Luxus eines Ruhetags vor der Rückreise gegönnt. Geplant war das zwar nicht, aber durch das Umbauen der Strecke und das Weglassen von Eisjöchl und Schneebergscharte ergab es sich so. Wir vertrieben uns den Tag mit Klamotten kaufen (raus aus dem Plastik-Zeug), Baden, Sonnenbrand bekommen und rumlümmeln. Ausklingen ließen wir den Tag wieder im Surfers-Grill.

 

24.7.09, Rückfahrt

Für den Rücktransport haben wir unsere Astral-Körper wieder No-Limits-Sportreisen anvertraut. Abfahrt war für 09:00 Uhr geplant, der Fahrer war aber schon um 08:30 da. Einladen ging fix, und so ging's pünktlich auf die Bahn. Zwar hat die Klima-Anlage im Bus nicht funktioniert, aber wir waren trotzdem mit dem Service zufrieden, zumal wir die einzigen Fahrgäste waren und deshalb direkt nach Lenggries gebracht wurden, wo wir gegen 12:30 Uhr ankamen.

Die Autos waren auch noch alle da, und so verabschiedeten wir uns und düsten gen Heimat. Gonzo hatte seinen Autoschlüssel clevererweise bei Andreas im Auto untergebracht und machte sich mit Gunther auf die Rückreise. Der Schlüsselaustausch wurde dann konspirativ auf dem Rastplatz Augsburg vollzogen, Ich machte auf dem Rückweg noch ein paar Besuche in Ulm und Umgebung und erreichte Overath um ca. 4:00 Uhr morgens.

 

 

 

 

Fazit

Trotz dem Wegfall der Highlights Eisjöchl und Schneebergscharte war es wieder eine tolle Tour, eben eher mit Erholungs-Charakter. Auch die Truppe hat gut zusammengepasst und das Leistungsniveau war relativ einheitlich. 6 Teilnehmer sind allerdings meiner Meinung nach schon die obere Grenze. Trotzdem haben wir auch ohne Vorbuchen immer relativ stressfrei Übernachtungsmöglichkeiten gefunden.

Pech hatten wir nur mit dem Wetter auf der Alpen-Nordseite. Es scheint ziemlich egal zu sein, wann wir fahren. Einmal schneit es bei unseren Transalp-Touren immer…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahlensalat

 

 

 

©  by G. Wittmacher, 2009

 

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Stand: 12.12.07