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Transalp 2010

03.09.-10.09.2010

Von Dalaas zum Gardasee

406 km, 9735 hm, 6 Etappen

GPS-Daten zum downloaden

Vorbereitung, Anreise, Crew

Dienstliche und private Termine haben dieses Jahr dazu geführt, dass kein Slot zu finden war, an dem die üblichen Verdächtigen an einer Alpenüberquerung teilnehmen konnten. Sei's drum, dachte ich, dann fahr ich halt alleine. Kurz­fristig hat sich dann ein paar Wochen vor dem geplanten Start noch Thomas für eine Teilnahme interessiert. Weil's zu zweit lustiger ist als alleine, haben wir uns an die Planung gemacht. Viel Zeit blieb dafür nicht, des­halb haben wir uns ent­schlossen, die DAV-Summit Route zu wählen. Diese hatte ich schon 2007 gemacht, allerdings mussten wir damals wegen heftigem Schneefall den 3. und 4. Tag umbauen. Diesmal sollte es die originale Route sein. Die Vorbereitung / Streckenplanung lag somit inklusive GPS-Daten fertig in der Schublade.

Eigentlich wollten wir in Oberstdorf starten, aber da wir planten, mit dem Zug zu den Autos zurückzugondeln, beschlossen wir, die erste Etappe wegzulassen und in Dalaas zu starten. Das ist mit der Bahn von Innsbruck viel schneller zu erreichen als Oberstdorf von München.

Bei der Planung der Rückreise stellten wir allerdings fest, dass es im Zug von Rovereto zum Brenner noch genau zwei mickrige Fahrrad-Plätze gibt. Zudem ist eine Re­servierung zwingend notwendig, via Internet aber nicht zu bewerkstelligen. Also ha­ben wir uns dazu entschlossen, zurück zu shutteln. Thomas hat  ein Shuttle bis Inns­bruck gefunden, das noch zwei erschwingliche Plätze frei hatte. Auf der letzten Rille vor der Abreise haben wir das dann gebucht.

Die Anreise verlief recht ereignisarm. Am Freitag, den 3.9. sind wir direkt nach der Arbeit, allerdings in getrennten Fahrzeugen zu etwas unterschiedlichen Zeiten gen Süden aufgebrochen. Ich bin um ca. 20:00 Uhr in Dalaas angekommen und hab gleich im vor gebuchten Hotel Post eingecheckt. Die Zeit bis Thomas eintraf hab ich mir mit dem Fussball-Länderspiel Belgien-Deutschland vertrieben. Gegen Mitte der zweiten Halbzeit ist Thomas dann auch eingetroffen. Wir haben uns noch zwei Schnitzelchen mit Pommes und einem Bierchen gegönnt, bevor wir uns zur Nachtruhe betteten.

 

 

1. Etappe, 4.9.2010, von Dalaas nach Galtür

Noch vor dem Frühstück sind wir mit dem Auto zum Bahnhof nach Bludenz gefahren um dort die Rückreise von Innsbruck nach Dalaas per Bahn einzustielen. Leider war der Ticketschalter geschlossen, bzw. sollte erst um 8:45 öffnen. So lange wollten wir nicht warten, also haben wir beschlossen, zu pokern. Schlimmstenfalls fahren wir halt mit dem Radl von Innsbruck nach Dalaas.

Also zurück zum Hotel und erst mal frühstücken. Das Frühstück war reichhaltig und so konnten wir nach dem Auschecken und Autoparken gut gestärkt losradeln.

Einrollen hoch zum Kristbergsattel war zunächst angesagt. Zunächst auf asphaltier­tem Weg, dann auf einer gut geschotterten Forstautobahn ging's nicht allzu steil aber stetig ansteigend hoch zum Kristbergsattel, welchen wir recht schnell erreichten. Bei den Restaurationen oben am Kristberg haben wir eine falschen Abzweig erwischt und mussten deshalb über eine Wiese stiefeln, um wieder auf den rechten Weg Rich­tung Hasahüsli zu gelangen. Etwas weiter an der Bergstation der Seilbahn wurde das Fußgänger-Aufkommen kurzfristig etwas dichter, auf der Abfahrt zum Hasahüsli wurde es dann aber wieder ruhig.

Unterhalb des Hasahüsli biegt der Weg Richtung Silbertal kurz hinter eine Brücke links ab und verläuft von da ab sanft ansteigend, vorbei an einzelnen Seen der un­terschiedlichsten Färbungen (einer ist sogar schwarz, so als ob der Almbauer den Ölwechsel an seinem Fuhrpark gelegentlich in freier Natur macht) Richtung Silberta­ler Winterjöchle. Nomen est Omen, die Schneegrenze kam schon sehr nahe, als wir kurz vor dem Jöchle absteigen mussten, um die letzten 30 Minuten zu schieben. Der Boden wurde mit jedem Schritt tiefer, und nicht selten lief die kalte Pampe von oben in die Latschen.

Nach dem Jöchle ging's ein paar Meter abwärts, bevor der Weg durch das Verwalltal zur Neuen Heil­bronner Hütte auf 2308 m nach rechts abbiegt. Bald wird der Weg so steil, dass die Radl geschultert werden mussten. Dabei hab ich mir meinen sündteuren Kohlefa­ser-Flaschenhalter abgebro­chen, weil das Gewicht des Rades während des Tragens komplett auf dem fragilen Teil lastete. Wegen des tie­fen Bodens und des vielen Schnees war auch oben an Fahren nicht zu denken. Der Weg entlang des Sees, der sonst fahrbar ist, war völlig unsichtbar, und so stiefelten wir weiter. Der Boden wurde immer tiefer und wir hofften bei jedem Schritt, die Lat­schen mögen am Fuß und nicht im Matsch hängen bleiben. Schlussendlich wurden aus den vom Summit-Club vorhergesagen 30 min Tragezeit witterungsbedingt doch gut und gerne 1,5 bis 2 Stunden.

In der Hütte angekommen gönnten wir uns erst mal eine Stärkung mittels einiger Kalt- und Heißgetränke. Thomas, der seine erste Transalp bestritt, war von der Schlepperei doch einigermaßen beeindruckt. Weiter ging's bergab, komplett fahrbar Richtung Kops. Kurz vor dem Stausee haben wir uns etwas vertan und den falschen Weg genommen, welcher uns etwas unterhalb des Stausees wieder aus­spuckte. Ein paar Höhenmeter Asphalt extra hoch zum See waren die Folge. Auf der Straße fuhren wir hinab nach Galtür, wo wir wie 2007 im Hotel Landle eincheck­ten. Das Zimmer war sehr schön, Bikes parkten in der Garage und die nassen Schuhe durften im Kesselraum des Hotels auslüften. Dorthin brachten wir auch un­sere Klamotten, nachdem wir sie im Waschbecken vom groben Dreck und Geruch befreit hatten.

Nach dem Duschen machten wir uns auf, die restlichen Gäste, die sich mittlerweile im Restaurant zur Fütterung versammelt hatten, von unserer Anwesenheit in Kennt­nis zu setzen. Allerdings konnten wir beim besten Willen nicht den Besitzer des 165 PS-Benelli-Tornado-Mega-Mopeds, das vor der Tür geparkt war, unter den Anwe­senden identifizieren, da die Mehrzahl der Gäste das gesetzliche Rentenalter ganz offensichtlich schon lange überschritten hatten. Wir haben uns ein paar Bierchen und Weinchen sowie einige Köstlichkeiten der lokalen Küche schmecken lassen und uns nach dem Kartenstudium in unser Gemach zurückgezogen und ganz gut gepennt.

Tagesleistung 52,6 km Hm 2263

 

2. Etappe, 5.9.2010, von Galtür nach Vna

Das Frühstück war angemessen reichhaltig, aber der Besitzer der Benelli immer noch nicht  zu identifizieren. Die Sonne lachte in den Frühstücksraum, und so fiel es uns recht leicht, uns wieder in den Sattel zu schwingen, zumal Kla­motten und Schuhe im Kesselraum einigermaßen getrocknet wa­ren. Zunächst war aber erst mal die Re­paratur meines Flaschenhalters ange­sagt, da es heute, am Sonntag, nirgends Ersatz zu kaufen gab. Nach erfolgrei­cher Mission mittels Kabelbinder und Gewebeband rollten wir zunächst auf asphaltiertem Feldweg, dann auf Waldautobahn hinab nach Ischgl, dem Ballermann der Alpen. In Ischgl führt der Weg Richtung Heidelberger Hütte zunächst relativ steil, aber asphaltiert auf der Ski-Talabfahrt bergan. Nach einiger Zeit endet die Asphalt-Decke, der Weg zur Heidelberger Hütte bleibt aber komplett fahrbar. Bei tollem Wetter haben wir uns zur Hütte gekämpft. Dort gab's zur Stärkung neben dem einen oder anderen Getränk eine Gulaschsuppe auf der sonnigen Terrasse. Weiter ging's Richtung Fimberpass. Der Weg von der Hütte auf den 2600 m hohen Pass ist allerdings zu einem großen Teil nicht fahrbar. Die anschließende Trial-Abfahrt haben wir zunächst sehr vorsichtig angegangen. Allerdings haben wir uns mit jedem Hö­henmeter mehr zugetraut. Jedenfalls so lange, bis Thomas effektvoll über den Len­ker gegangen ist. Außer ein Loch in der teuren Gore-Jacke und ein paar Kratzer an Ellenbogen und Psyche ist aber nicht viel passiert. Weiter ging's dann etwas vorsich­tiger bis der Singletrial auf einen Feldweg traf. Dort befand sich ein uriger Biergarten mit toller Aussicht, Liegen mit Lammfell-Auflage und sauteurem Bio-Bier. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns schon mal an die Schweizer Preise zu gewöhnen und gönnten uns ein Kaltgetränk. Beim Bezahlen entdeckten wir einen Aushang von ei­nem Gasthof in Vna. Radfahrer willkommen stand da zu lesen, also steuerten wir das Ding an. Zimmer im Bio-Gasthof waren noch frei, und der Preis schien für Schweizer Verhältnisse auch akzeptabel, wenn auch deutlich teuerer als die Tage zuvor. Aller­dings haben wir uns die Zimmer vorher nicht angesehen, vielleicht war das nicht ganz so clever. Wie dem auch sei, hier war alles Bio, und das ist halt etwas teurer. Glotze gab es keine, dafür eine Etagendusche, die ganzflächig mit schwarzem Bio-Schimmel überzogen war. Nach dem Duschen und Klamottenwaschen gönnten wir uns eine Portion Bio-Spagetthi und ein paar Bierchen. Der Bio-Köter im Gastraum ermahnte uns dann recht frühzeitig zur Nachtruhe und bewarte uns so vor dem voll­ständigen finanziellen Ruin.

Tagesleistung 43,4 km Hm 1492

 

3. Etappe, 6.9.2010, von Vna nach Tscherms

Heute stand mit der Uina-Schlucht ein Highlight auf dem Programm. Das Wetter zeigte sich dementsprechend von seiner positiven Seite. Angemessene Stärkung war deshalb angesagt. Bio-Press-Schinken und Industrie-Käse ließen zwar ge­schmacklich etwas zu wünschen übrig, aber die Aussicht darauf, die eidgenössische kulinarische Diaspora bald verlassen zu dürfen tröstete darüber und über die schwindelerregende Rechnung hinweg.

Auf Straße ging's zunächst hinunter nach Ramosch und weiter nach Sur En. Am Campingplatz überquerten wir auf einer alten Holzbrücke den Fluss und fanden den Einstieg ins Uina-Tal problemlos. Auf Forstautobahn führt der Weg zunächst sanft, dann immer steiler werdend bergan. Nach einigen Kilometern durch das schöne Uina Tal endet der Fahrweg bei einen Souvenier-Shop  Weiter führt ein Single Trial, der zunächst fahrbar ist, dann aber immer steiler und verblockter werdend nur noch die Fortbewegung per Pedes erlaubt. Von weitem schon kann man den in den Fels ge­hauenen Weg erkennen, der abenteuerlich durch die Schlucht zum Schlining-Pass führt. Wir ließen uns viel Zeit in der Schlucht und machten die eine oder andere Foto-Pause. Am oberen Ausgang der Schlucht wartete bei strahlendem Sonnenschein ein meist fahrbarer Singletrial, der zur Italienisch-Schweizerischen Grenze führt. Ein paar Höhenmeter Abfahrt bis zur Sesvenna-Hütte, wo wir mit Radler und Suppe die Rückkehr in die kulinarische Zivilisation feierten, bevor die zunächst mächtig steile Abfahrt unsere volle Konzentration erforderte. Die weitere Abfahrt nach Burgeis im Vinschgau war dann spassig, aber unspektakulär. Vorbei an der Burg Burgeis führt der Vinschgau-Rad­weg zunächst achterbahn-mäßig Richtung Meran. Die Alternativ-Strecke, die wir uns zurechtgelegt hatten, sollte vom Vinschgau über den Tarscher Pass ins Ultental führen. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der zu erwartenden langen Schiebepassagen über den Pass entschieden wir uns aber, die ursprünglich geplante Strecke nach Tscherms weiterzufahren. Leider hatten wir ziemlichen Gegenwind auf dem Weg nach Forst. Ein kleines Rennen mit einem Tandem vertrieb uns die Zeit und spornte uns zu einer etwas höheren Reisegeschwindigkeit an. An der Brauerei Forst bei Meran bogen wir rechts Richtung Lana ab und folgten der Straße bis nach Tscherms, wo wir uns gerade noch rechtzeitig vor dem einset­zenden Regen im Schlosshotel einbuchten. Nomen ist nicht immer Omen, aber das Zimmer war trotzdem ok und dazu, verglichen mit dem Vortag, auch noch günstig. Das Abendessen war eigentlich in der Pizzeria Helden geplant. Diese hatte aller­dings geschlossen, und der Gastro-Info-Automat bot auch keine passende Alternative an. Zum Glück konnte uns ein Ömchen auf der Straße, die uns unseren Kohldampf offensichtlich angesehen hat, mit einem Tip weiterhelfen. Ich glaube, die Hütte hieß Löwenwirt oder so ähnlich, jedenfalls war die Bude brechend voll und wir mussten bei einem Bierchen an der Theke auf einen freien Sitzplatz warten. Die Wartezeit war aber nicht allzu lange. Typische Sportlernahrung in Form von Schweinshaxe, Kraut­salat, ein paar Bierchen und Weinchen sowie ein Schnäpschen zum Abschluss soll­ten die Power für den nächsten Tag liefern. Zurück im Hotel gönnten wir uns in Ge­sellschaft zweier dort rumlungernden Saufziegen an der Hotelbar noch ein Bierchen, bevor wir müde ins Bett fielen.

Tagesleistung 111,1 km Hm 1536

 

4. Etappe, 7.9.2010, von Tscherms nach Male

Der Blick aus dem Fenster war nicht gerade moti­vations-fördernd. Nebel und Regen luden nicht wirklich zum Radeln ein. Nach längerer Diskussion, die schon am Vorabend begonnen hatte, einigten wir uns schlussendlich, die Etappe durch das Ultental und übers Rabbi-Joch auszulassen und eine Ruheetappe einzubauen. Schade um die schöne Abfahrt vom Rabbi-Joch, aber sei's drum. Um nicht den Rest der Tour neu planen zu müs­sen, sollte das Ziel trotz des Umbaus Male sein. Der Weg dort hin führte über den Mendelpass. Nach dem recht reichhaltigen Frühstück rollten wir bei Nieselregen zunächst nach Lana, wo wir erst mal eine Straßenkarte kauften. Nach dem Studium selbiger entschieden wir uns, zunächst dem Etschtal-Radweg bis nach Bozen zu folgen. Von dort führt ein sehr schöner Radweg auf einer alten Bahntrasse hoch nach Eppan, von wo der Mendel­pass dann rechts abbiegt. Das Wetter wurde immer ungemütlicher und mit steigernder Höhe fiel auch die Außentemperatur. Der Mendelpass ist aber mit dem Fahrrad sehr gut machbar, weil er immer eine sehr moderate Steigung hat. Man braucht eigent­lich nie das kleine Kettenblatt. Oben angekommen suchten wir uns zunächst die wahrscheinlich teu­erste Pommesbude Italiens und wärmten uns im beheizten Wintergarten bei Pommes und Kaltgetränken auf. Die Abfahrt nach Cles war ganz ok, das letzte Stück von Cles nach Male auf der vielbefahrenen Straße allerdings ziemlich nervig. Beson­ders die italienischen LKW-Fahrer, die es lustig fanden, mit wenigen Zentimetern Ab­stand zu überholen und auf gleicher Höhe mit der invernalischen Schiffströte zu grü­ßen, verlangten einige Nervenstärke. Wir haben in Male gleich das Hotel Henriette angesteuert, weil ich das von vergangenen Touren noch kannte. Wegen Renovie­rung geschlossen… doch während wir noch grübelten, wurde die Tür doch geöffnet und wir wurden von der Dame des Hauses ins Hotel Liberty gleich um die Ecke ge­schickt. Von außen und innen (abgesehen von der Mini-Dusche, bei der beim Schliessen der Duschkabine Bauch einziehen und Ohren anlegen angesagt war)  ein ganz schöner Kasten, und ein Zimmer war auch noch frei, sogar mit Flatscreen und einigen deutschen Programmen. Leider aber ohne ARD, und so musste Jogi und die Jungs gegen Aserbeidschan ohne unsere Unterstützung auskommen. Das hat wohl auch ganz gut geklappt, 6:1 kann sich sehen lassen. Wir haben uns inzwischen eine Pizzeria gesucht und bei Rotwein und Mafia-Torte den Tag abgeschlossen.

Tagesleistung 90,8 km Hm 1627

5. Etappe, 8.9.2010, von Male nach Stenico

Am Vorabend war anscheinend noch ein Rentnerbus aus Österreich eingetroffen. Jedenfalls war der Frühstücksraum schon recht früh von Rentnern bevölkert. Mit Mühe und Not haben wir noch einen Sitzplatz ergattert und versucht, uns bestmög­lich am Buffet durchzusetzen. Vorsicht war angesagt, wenn man nicht als Brotauf­strich enden wollte. Nach dem Frühstück ging's dann ab in die Tiefgarage zu den Fahrrädern. Dort waren schon einige Transalp-Kollegen (solche Weicheier mit Be­gleitfahrzeug) damit beschäftigt, sämtliche Körperteile in Plastik zu verpacken, um ja nicht nass zu werden. Wir haben uns für die kleine Lösung entschieden. Duschhaube und Regenjacke mussten reichen. Als wir dann aus der Tiefgarage fuhren, hatte der Regen auch schon fast aufgehört. Wir radelten zuerst nach Dimaro und von dort bergauf durch eine sehr hübsche Schlucht nach Madonna di Campiglio. Mittlerweile regnete es auch wieder etwas stärker. Dement­sprechend aufgeweicht trafen wir in Madonna di Campiglio ein und setzten uns ins nächstbeste Cafe, um Tee und Milchkaffee in uns reinzu­schütten. Ob der Wetterlage fragte Thomas, ob man auch auf der Straße nach Stenico fahren könnte, aber weil ich eigentlich immer gerne durch das Val d'Agola fahre, hab ich ihm von vielen Höhenmetern erzählt. Naja, die Info war nicht ganz korrekt, eigentlich müsste man nur runter-rollen…

Egal, die zunächst etwas trialige Abfahrt zum Einstieg ins Val d'Agola stimmte ihn vermutlich wieder etwas versöhnlich. Bis zum Lago d'Agola führt der Weg über eine Schotterstraße recht gut fahrbar bergan. Leider war die Brenta wegen der tief hän­genden Wolken kaum zu sehen. Durch eine Wolkenlücke zeigte sich dann doch mal eine Felswand, was Thomas zu einem erstaunten "Boh ey, voll der Berg" veran­lasste. Am See führt ein Wanderweg entlang, der kurz nach dem See nur noch schiebender weise zu bewältigen ist. Ca 20-30 Minuten Schieben bis zum Passo Bregn D'Ors mussten wir noch hinter uns bringen. Oben schmissen wir uns dann in unsere letzen trockenen Regenklamotten, um uns für die lange Abfahrt zu rüsten. Für Fans von Forstautobahnen ist die Abfahrt wirklich erste Sahne, allerdings sollte man nicht vergessen, dass man mit gelegentlichem motorisierten Gegenverkehr rechnen muss.

Nach endlos scheinender Abfahrt trifft die mittlerweile asphaltierte Abfahrt auf die Straße nach Stenico, die hoch über einem Flusstal fast höhengleich verläuft. Mittler­weile ließ sich auch die Sonne gelegentlich blicken. Schon von weitem ist das Castello Stenico zu sehen, an dessem Fuße sich das Albergo Al Castello befin­den, wo wir uns für die Nacht einquartierten. Die Zimmer dort sind sehr einfach, aber sauber. Nachdem wir gefühlte 2 Stunden und einige Hektoliter Wasser laufen ließen, kam dann auch endlich heißes Duschwasser. Nach dem Duschen nutzten wir gleich die Gelegenheit bzw. das heiße Wasser, um unsere Klamotten zu waschen. Im klei­nen Zimmer sowie im Flur wurde jede Möglichkeit genutzt, die nassen und mittler­weile ziemlich müffelnden Klamotten zum Trocken aufzuhängen. Dann ging's los zum Essen. Schon bei der Ankunft in Stenico hatten wir gesehen, dass die einzige Pizzeria im Kaff leider geschlossen hatte. Also mussten wir uns an der Hotelbar ver­köstigen. Dort war schon die komplette männliche Bevölkerung über 60 Jahre einge­troffen, um das abendliche Weinchen zu trinken, zu klönen oder an den Automaten etwas zu zocken. Auch die Dorfpolizisten holten sich ihr Schutzgeld in Form eines Espressos ab. Viel erwarteten wir vom Essen nicht, aber Pizza und Nudeln waren dann doch sehr gut und auch sehr günstig. Das gesparte Geld investierten wir gleich in ein paar Bierchen oder Weinchen, um besser schlafen zu können.

Ob wir wirklich geschlafen haben oder ob dem Gestank in der Bude einfach nur ins Koma gefallen sind, lässt sich nachträglich nicht mehr feststellen. Das angebliche nächtliche Gewitterinferno habe ich jedenfalls nicht mitbekommen.

Tagesleistung 63,6 km Hm 1842

 

 

6. Etappe, 9.9.2010, von Stenico nach Torbole

Ein Blick aus dem Fenster erhellte die Ge­müter: Die Sonne blitzte durch die Wolken. Per­fektes Wetter zum Fi­nale! Zwar waren die Klamotten über Nacht nicht vollständig ge­trocknet, aber die Aus­sicht auf den warmen Gardasee ließ dies und das etwas mittelmäßige Frühstück schnell ver­gessen. Aufsitzen und erst mal die Straße hin­unter nach Ponte Arche. Danach ging's bergauf. Ein letztes Mal Schieben durch eine ziemlich steile Rinne und nach ca 30 Minuten noch auf Fahrstraße bis zu einer Malga, deren Namen ich mir leider nie merken kann. Das Wetter war wirklich traumhaft und die Einkehr im Biergarten San Giovanni al Monte ist mittlerweile sowieso schon Tradition. Wir waren recht früh dran, deshalb war der Biergarten noch leer. Wir gönnten uns ein Radler und rollten hinab nach Arco, vorbei an etlichen keuchenden Radfahrern, die sich ihre Erfrischung erst noch verdienen mussten. Entlang des Sacre rollten wir die letzten Meter nach Torbole. 25°C und Sonne, traumhaft. Ab in die Fluten des Gardasees und dann ein oder zwei Bierchen am Hafen. Der Einfachheit wegen haben wir uns auch gleich dort beim Hotel Geier eingenistet. Ein Anruf zuhause und los ging's zum traditionellen Klamot­tenkauf. Raus aus dem Plastik und wenigstens ein Baumwoll-T-Shirt war die Devise, aber die diesjährige Kollektion Chinesischer Qualitätsware traf nicht wirklich unseren doch sehr exquisiten Modegeschmack, deshalb gaben wir das Vorhaben bald auf. Thomas hat sich noch kurz beim Shuttle-Betreiber gemeldet, um ihm mitzuteilen, wo wir am nächsten Tag gerne abgeholt werden wollten. Ein kleines Nickerchen war auch noch drin, bevor wir los zogen, um im Surfers Grill (noch eine Tradition) lecker zu speisen und die gelungene Tour zu feiern. Eine weitere Tradition sind die unum­gänglichen Caipirinhas (http://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha), welche wir im Anschluss an unser Mahl zu uns nahmen, bevor wir in unser Hotel zur Bettruhe zurückkehrten.

Tagesleistung 44,4 km Hm 976

Rückreise:

Nach einigem hin und her entschlossen wir uns, uns wieder mit dem No-Limits-Shut­tle-Service zurückschaukeln zu lassen, zumindest bis Innsbruck. Unser ursprüngli­cher Plan, von Rovereto mit dem Zug nach Innsbruck zu fahren, wurde von der ita­lienischen Staatsbahn durchkreuzt, die in diesem Zug nur zwei Fahrradplätze bereit­stellt. Für uns ziemlich unverständlich, zumal das Trentino eine echte Fahrrad-Hoch­burg ist. Auch die Reiseradler am Etschradweg leiden unter dieser dämlichen Politik.

Wie dem auch sei, für 9:00 Uhr war das Shuttle angekündigt. Zu unserer Freude war der Transit schon um kurz nach 8:00 Uhr da und wir luden unsere Räder gleich ein. Leider mussten wir noch ein paar andere Transalpler in Riva abholen, und die ließen sich mit dem Einladen mächtig Zeit. So kamen wir erst um 09:30 Uhr los, erster Stop nach ca. 500 m, Mecki's Cafe, T-Shirts kaufen, nächster Stop nach ca. 700 m, Rei­fendruck am Transit anpassen. Als dann, kaum auf der Autobahn, die Fahrer noch zur endlos scheinenden Kippenpause anhielten, sahen wir unseren Anschluss-Zug in Innsbruck um 12:30 Uhr schon schwinden. Nachdem wir etwas zur Eile gedrängt ha­ben, ging's dann aber doch weiter und wir kamen rechtzeitig in Innsbruck an. Reser­viert hatten wir die Bahnverbindung nicht, aber wir bekamen problemlos Tickets und Sitzplatz. Mit dem Zug fuhren wir bis Langen am Arlberg, von dort ging's noch mal 10 km bergab nach Dalaas, wo wir unsere Autos unversehrt vorfanden.

Die Rückreise per Auto verlief problemlos. Ich hab noch ein Bsüchle in Ulm gemacht und bin gegen 3:00 Uhr morgens in Overath angekommen.

Fazit:

Wieder eine sehr schöne Tour. Die Uina-Schlucht und der Fimberpass sind immer wieder ein Erlebnis. Wegen der relativ wenigen Schiebepassagen und dem recht moderaten Höhenprofil auch für Rookies problemlos machbar. Mit dem Rabbi-Joch wärs perfekt gewesen. Das Wetter hat auch trotz der relativ fortgeschrittenen Jah­reszeit mitgespielt. Und weil diesmal exzessive Fressorgien ausblieben, hab ich  auf der Tour nicht mal ganz ein Kilo zugenommen.

Die nackten Zahlen:

 

 

©  by G. Wittmacher, 2010

 

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Stand: 12.12.07