Main-Radweg August/September 2009

Handbike-Tour entlang des Mains von Bayreuth nach Aschaffenburg

 

Eignung:         

Streckenlänge: 461,9 km

Topographie:   Meist flach. Nur zu Anfang, kurz nach Bayreuth,  sind ein paar Höhenmeter zu überwinden. Die Steigungen sind aber sehr moderat. Der Umweg über Thurnau beinhaltet eine zwar sanfte, aber recht lange Steigung. Diese kann aber vermieden werden, wenn man im Maintal bleibt. Die Steigung zur Barock-Kirche Vierzehnheiligen ist recht steil, kann aber vermieden werden, wenn man entlang der Bundesstraße im Maintal bleibt. Ansonsten sind keine nennenswerten Steigungen vorhanden.

Oberfläche/Wegbeschaffenheit: Die Wegbeschaffenheit ist meist sehr gut. Man bewegt sich hauptsächlich auf asphaltierten Radwegen oder kleineren Landsträßchen. Gelegentlich müssen auch ein paar Kilometerchen auf verdichtetem Schotter bewältigt werden. Richtig holperig wird’s aber nie.

Einkehrmöglichkeiten: Gibt's massenhaft entlang der Strecke. Viele Biergärten sind aber Montags geschlossen.

Start:               Bayreuth, Hotel Ramada

Ziel:                 Aschaffenburg Hauptbahnhof

Anreise per Bahn: Problemlos

Anreise per Auto: Ist natürlich auch möglich

Übernachtungen:

Zielort

Unterbringung

Bayreuth

RAMADA Hotel Residenzschloss Bayreuth, Erlanger Straße 37, 95444 Bayreuth, Tel. 0921/7585-0, www.ramade.de/bayreuth

Lichtenfels

City-Hotel garni, Bahnhofsplatz 5, 96215 Lichtenfels, Tel. 09571/92430

Roßstadt

Landgasthof Schramm, Frankenstraße 24, 97483 Roßstadt, Tel. 09522 399, www.schramm-landgasthof.de

Volkach

Weingasthof Rose, Oberer Markt 7, 97332 Volkach, Tel. 09381/840-0,
www.rose-volkach.de

Würzburg

Ibis, Veitshoechheimer Strasse 5B - 97080 - Würzburg, Tel.  0931/45220

Marktheidenfeld

Hotel Zur schönen Aussicht, Brückenstr. 8, 97828 Marktheidenfeld,
Tel. 09391/3055, www.hotelaussicht.de/aussicht/aussicht.html

Bürgstadt

Adler Landhotel, Hauptstraße 30, 63927 Bürgstadt, Tel. 09371/97880, www.gasthof-adler.de

 

Endlich, nach über einem Jahr Abstinenz, haben wir uns wieder mit Sack und Pack auf Tour begeben. Wir haben uns für dieses Jahr den Mainradweg ausgesucht. In Bayreuth sollte es losgehen und bis Aschaffenburg wollten wir es in 7 Fahrtagen schaffen. Das Stück von Aschaffenburg bis Mainz haben wir uns erspart. Industrielandschaft haben wir auch im Rheinland genug.

Wie immer hatte Britta sich in mühsamer Recherche-Arbeit schon im Vorfeld um Unterkünfte bemüht und so war bei Abfahrt am 29. August alles vorbereitet.

 

Beschilderung:

Die Beschilderung des Radwegs ist anfangs ziemlich lausig. Hat man Bayreuth hinter sich gelassen, wird's etwas besser, aber wirklich einheitlich wie beispielsweise an Donau oder Weser ist es eigentlich nie. Wenn es Schilder gibt, sehen diese meist so oder so ähnlich aus:

 

 

 

Equipment / Anreise

An 29. August 2009 ging's endlich los. Da wir mittlerweile schon Routine haben, ging das Packen rasch von der Hand. Britta hat mittlerweile einen neuen Rolli (einen Küschall Champion), welcher zwar schon ein paar Kilometerchen am Handbike betrieben wurde, aber auf großer Tour waren wir damit noch nicht. Im Gegensatz zum Meyra-Trecker X2, den wir bisher immer zum Handbiken benutzten, macht der Küschall einen doch eher klapprigen Eindruck. Da dieser Rolli aber ausdrücklich zum Handbiken empfohlen wird, haben wir beschlossen, es trotzdem damit zu versuchen. Ansonsten war unsere Ausrüstung dieselbe wie immer, abgesehen von etwas Flickzeug und einen Reserveschlauch für den Rolli, da dieser im Gegensatz zum X2 über Luftbereifung verfügt. Wie immer haben wir unseren Krempel in einer wasserdichten Ortlieb-Tasche verpackt. Transportiert wurde das Ganze wieder auf meinen einspurigen B.o.B. Anhänger, der von meinen treuen Zaskar gezogen wurde.

Gegen 09:00 Uhr sind wir wie geplant in Overath mit dem Auto Richtung Aschaffenburg aufgebrochen. Die Anreise war problemlos und gegen 11:30 Uhr haben wir den Bahnhof, zumindest das, was davon noch übrig war, erreicht. Der Bahnhof wurde gerade massiv umgebaut und war deshalb nur mäßig barrierefrei. Nachdem ich das Auto in einem nahegelegenen Gewerbegebiet abgestellt hatte und zurück zum Bahnhof geradelt war, ging's ans Fahrkarten kaufen. Die Bahnhofs-Ruine war voll von mehr oder weniger lauten Fußball-Fans, die sich mittels der einen oder anderen Hopfenkaltschale in Stimmung für das Bundesligaspiel Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund brachten. Die Fahrkarten nach Bayreuth waren trotzdem recht schnell gekauft. Den Umsteige-Service der Bahn hatte Britta schon im Voraus bestellt und der war zum Einsteigen auch zur Stelle.

In Würzburg war umsteigen angesagt. Laut Fahrplan hatten wir dafür 10 Minuten Zeit. Nicht wirklich viel, zumal ich mich neben meinem Fahrrad auch um den bleischweren Anhänger und Brittas Handbike zu kümmern hatte. Zudem hatten wir auch noch ein paar Minuten Verspätung. Zum Glück hat sich der Umsteige-Service der Bahn wie geplant um Britta gekümmert. Britta wurde dann auch etwas nervös, weil ich doch etwas länger als geplant gebraucht habe, den ganzen Krempel über den Bahnsteig zu schleppen, während Britta schon im Zug saß. Der Kommentar des Schaffners "dann fahren wir wohl ohne Ihren Mann" konnte sie auch nicht entscheidend beruhigen, zumal das Fahrradabteil schon recht gut gefüllt war. Mit etwas Hektik hat es aber dann doch noch geklappt und wir sind gut in Bayreuth angekommen. Aussteigen war recht entspannt, weil Bayreuth Endstation war.

Unsere Bleibe für die Nacht hatte ich im Garmin Navi gespeichert und so haben wir uns bei schönem Spätsommerwetter direkt zum Ramada Hotel aufgemacht und dieses auch schnell gefunden. Nach dem Einchecken, dem Verstauen der Räder in der Hoteltiefgarage und der Besichtigung des recht rolli-gerechten Zimmers (viel Platz, ebenerdig, breite Türen, erhöhtes Bett, Haltegriffe etc.) machten wir uns auf Richtung Innenstadt, um diese in Augenschein zu nehmen und die Fränkische Küche zu genießen.

Nach einem kleinen Stadtrundgang haben wir uns in einem Biergarten eingefunden. Eigentlich wollten wir dort nur ein Getränk zu uns nehmen, aber dann hat uns die Speisekarte doch überzeugt, dort auch zu Essen. Das Essen war ok, aber vom Hocker hat es uns nicht gehauen. Außerdem waren die Portionen sehr übersichtlich, so daß ich noch einen Nachschlag bei McDonalds holen musste (ich hasse Fastfood, aber der Hunger war stärker). Offensichtlich gibt es in Bayreuth sehr viele Fast-Food-Hasser, der Mäces wurde nämlich zwei Tage später geschlossen, weil er sich nicht rechnete… sehr sympathisch.

Noch ein kleiner Schaufensterbummel, vorbei an urzeitlichem Plastik-Getier und dann ging's schon zurück ins Hotel. Es fing auch etwas an zu Regnen und das Wetter lies für den nächsten Tag nichts Gutes erahnen. Die Wetterfrösche in der Flimmerkiste waren allerdings optimistisch, und so gingen wir beruhigt schlafen.

 

30. August 2009, Bayreuth – Lichtenfels, 82,8 km, 499 hm (einschließlich Ausflug nach Vierzehnheiligen)

Nach dem Aufstehen der erste Blick aus dem Fenster: Sonne, die Wetterfrösche behielten recht. Rasch hatten wir unsere Sachen gepackt, ausgecheckt und standen startklar zur Abfahrt bereit. Frühstück im Hotel ist der Budget-Planung zum Opfer gefallen. Um nicht gänzlich vom Fleisch zu fallen, haben wir uns an einer Tankstelle mit Brötchen, Kaffee und LKWs (LeberKäseWeckchen) versorgt, bevor wir das Stadtgebiet von Bayreuth bei Sonnenschein hinter uns ließen.

Der Radweg war dank GPS trotz der lausigen Beschilderung recht fix gefunden. Erstmal ging's stadtauswärts und bergan, bevor der Radweg wieder im Tal des noch recht mickrigen weißen Mains mal rechts und mal links des Bächleins entlang windet. Zunächst sieht man den Main nur gelegentlich. Nach einiger Zeit verläuft der Radweg dann, mittlerweile beschildert, idyllisch auf einer alten, stillgelegten und zum Radweg umfunktionierten Bahntrasse. Dieser immer weiter zu folgen und die rechts auf die Straße verweisenden Schilder zu ignorieren ist recht verlockend. Wir konnten dieser Verlockung jedenfalls nicht widerstehen, obwohl die Beschilderung auf die kleine Landstraße verwies, die dem Main folgend weiter rechts verläuft. Das ist bestimmt ein Irrtum, die Beschilderung muss verkehrt sein, dachten wir (jedenfalls eine Hälfte von uns). Erst als der Weg zwar sanft, aber stetig und recht lange bergan führte, stellten wir messerscharf fest, dass das nie und nimmer das Maintal sein kann. Da war's aber schon zu spät zum Umkehren, und den direkten Weg zurück zum Radweg versperrte die Autobahn. Da der Weg geradeaus weiter nach Thurnau führte und diese als "Ausflug" in unserem BikeLine-Führer verzeichnet war, beschlossen wir, die restlichen Höhenmeter nach Thurnau in Kauf zu nehmen. Es war mittlerweile recht warm geworden, und so kamen wir dabei gut ins Schwitzen. Schließlich haben wir es aber dann doch geschafft. Zeit für eine Stadtbesichtigung blieb allerdings nicht und so haben wir die Burg Thurnau nur aus der Ferne gesehen.

Es folgte die Abfahrt zurück ins Maintal, auf der oben genannten Bahntrasse, dann auf kleinen Feldwegen und wenig befahrenen Straßen. Wieder unten angekommen trafen wir auf den Zusammenfluss von rotem und weißem Main. Ob der Hitze wurde der Durst immer größer und wir fingen an, nach Einkehrmöglichkeiten Ausschau zu halten. Fündig wurden wir auf der Kirwei (Kirchweih) in Theisau. Eigentlich hatten wir einen größeren Festplatz erwartet, aber vorgefunden haben wir eine kleine Kapelle mit ein paar Bierbänken, die von dem Dorfgasthof mit fester und flüssiger Nahrung versorgt wurden. Sehr gemütlich war's, und einige Radler waren schon da, aber für uns gab's auch noch ein Plätzchen. Britta war mit ihrem Gefährt schnell der Mittelpunkt der Veranstaltung, und nachdem wir uns gestärkt hatten, wurden wir noch vom Wirt abgelichtet.

Weiter ging's vorbei an Obstwiesen mit vollhängenden Zwetschgen- und Mirabellenbäumen nach Lichtenfels. Dort kamen wir recht früh an, so früh, dass unser Hotel noch geschlossen war. Wir streiften deshalb noch etwas durch die Stadt und vertrieben uns so die Zeit, bis um 16:00 Uhr das Personal im City Hotel direkt am Bahnhof eintraf, wo Britta ein Zimmer gebucht hatte. Schnell hatten wir eingecheckt und das Zimmer, das leider nur über einige Treppen zu erreichen war, bezogen. Wir wollten heute noch losziehen um die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zu besuchen. Diese liegt ein paar Kilometer außerhalb und vor allem ein paar Höhenmeter oberhalb von Lichtenfels. Wir haben deshalb den kleinen, bisher unbenutzten Akkusatz ans Handbike geschnallt und los ging's. Zunächst fuhren wir flach durch Lichtenfels. Rechts des Mains kann man schon von weitem Kloster Banz sehen, am Horizont ist der Staffelstein zu sehen und links erhebt sich Vierzehnheiligen. Zusammen werden diese drei das Fränkische Dreigestirn genannt.

Auf den Klosterberg geht es mächtig steil bergan. Dank Akku-Unterstützung war das aber für Britta kein Problem, obwohl die Traktionsgrenze am Vorderrad gegen Ende nahezu erreicht war. Oben angekommen haben wir die Räder abgestellt und uns die eindrucksvolle Barock-Kirche angesehen. Auch die Aussicht über das Maintal ist sehenswert. Außerdem gibt es auf dem Klosterberg eine recht brauchbare Rolli-Toilette, die mit dem Euro-Schlüssel zu öffnen ist. Kein bayrisches Kloster ohne Brauerei und vor allem dem zugehörigen Biergarten. Natürlich mussten wir dort noch einkehren. Selbstbedienung, Britta wollte eine Weißwein-Schorle. Der Braumeister (Herr Trunk, wenn ich mich recht erinnere) stand höchstpersönlich an der Getränkeausgabe und blickte mich bei der Aufgabe von Brittas Bestellung recht mitleidig an. Wein hat er nicht, ich solle ein Radler nehmen. Das sei quasi eine Weinschorle, nur eben mit Bier. Klingt logisch, dachte ich. Britta mochte es trotzdem nicht so gerne. Aber wir befanden uns nun mal mitten in Bier-Franken. Den sauren Backsteinkäse hat sie aber auch genossen.

Die Abfahrt zurück nach Lichtenfels ging recht flott und das Hotel haben wir schnell gefunden. Noch kurz duschen und auf ging's zum Essen fassen in die Stadt. Wir fanden eine schmucke Gastwirtschaft, wo wir bei milden Temperaturen im Biergarten ein gutes Abendessen genossen. Zurück ging's zum Hotel direkt am Bahnhof, wo man, quasi als besonderen Service des Hotels, vom Bahnhofsprecher bei jedem einfahrenden Zug über Ziel und Abfahrtszeit desselbigen informiert wurde. Anfangs war das etwas lästig, aber wir sind trotzdem rasch eingeschlafen.

 

31. August 2009, Lichtenfels - Roßstadt, 60,8 km, 155 hm

Kurz nach der Abfahrt des ICEs 155 nach Würzburg, planmäßige Abfahrt 8:25 sind wir aufgestanden und zum Frühstück getrottet. Selbiges war völlig in Ordnung, zudem schien die Sonne und so freuten wir uns auf die nächste Etappe. Die Bergwertung nach Vierzehnheiligen hatten wir ja am Vortag schon absolviert, so blieb uns heute dieser Anstieg erspart. Wir blieben deshalb, entgegen der Beschilderung im Maintal und trafen ein paar Kilometer mainabwärts wieder auf die Route. Über Kilometer sieht man das beeindruckende fränkische Dreigestirn. Über meist asphaltierte Radwege und kleinere, nahezu unbefahrene Landsträßchen ging's weiter nach Ebing. Wieder machte mir meine Allergie gegen meine Plastik-Radhose zu schaffen. In Rattelsdorf habe ich mir deshalb in einem Klamotten-Ramsch-Laden zwei modische Boxershorts besorgt, die ich für den Rest der Tour zur Radhose umfunktionierte. Nicht schön, aber selten und ein mittlerweile gewohntes Bild, da ich dieselben Probleme und auch dieselbe Lösung schon bei meiner diesjährigen Transalp erfahren habe.

Weiter führte uns der Main-Radweg nach Bamberg. Bamberg ist eine tolle alte Stadt. Wir haben dort unsere Räder abgestellt und abgeschlossen und uns auf zur Stadtbesichtigung gemacht. Britta sorgte vorher beim lokalen Brillendealer für den richtigen Durchblick und lies sich dort ihr Nasenfahrrad zurechtdengeln. Dann ging’s auf den Domberg. Ziemlich steil und außerdem Kopfsteinpflaster, aber trotzdem einen Ausflug wert. Wir sind dann noch etwas durch die Gässchen geschlendert, bevor wir noch eine Kleinigkeit essen wollten. Die Bedienung hat aber wohl unsere Bestellung ignoriert, und so zogen wir nach einiger Zeit wieder hungrig von dannen.

Unser Quartier für die Nacht war das Landgasthof Schramm in Roßstadt. Beim Buchen teilte man Britta schon mit, dass montags Ruhetag ist und deshalb die Küche nicht nur kalt, sondern auch geschlossen bleibt. Da Roßstadt auch nicht gerade der kulinarische Nabel der Welt zu sein schien, haben wir schon einige Kilometer zuvor angefangen, nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Fündig wurden wir, wie könnte es anders sein, bei einem  Brauereigasthof, wo wir uns für die letzten paar Kilometerchen zünftig stärkten.

Im Landgasthof Schramm hat uns die Oma des Hauses in Empfang genommen und uns den Schlüssel zu unserem Domizil gegeben. Unser Zimmer war, wie versprochen, voll Rolli-tauglich, einschließlich der Sanitären Einrichtungen. Nach dem Duschen gönnten wir uns noch ein Getränk vor dem Haus, das wir der Hotel-Oma abschwatzten. Da das Nightlife von Roßstadt für uns nicht wirklich etwas zu bieten hatte, verkrochen wir uns schon recht früh ins Bett und ließen uns noch etwas TV-mäßig berieseln

 

1. September 2009, Roßstadt - Volkach, 75,7 km, 168 hm

Gut ausgeschlafen machten wir uns relativ früh auf zum Frühstück. Ein paar Wolken verzogen sich recht flott, und nach dem Auschecken machten wir uns auf. Unser Tagesziel war Volkach. Der Main war mittlerweile zu einem schiffbaren Fluss angewachsen, und so haben wir entlang des Radwegs die eine oder andere Schleuse gesehen. Durch lauschige Städtchen wie Sand, Zeil am Main und Haßfurt fuhren wir auf meist gut ausgebauten Radwegen, teilweise aber auch auf Landstraßen weiter Richtung Schweinfurt. Die Sonne brannte immer stärker, und so waren wir, als wir in Schweinfurt ankamen, schon wieder dem Verdursten nahe. Eingekehrt sind wir in der Brauereigaststätte am Marktplatz und haben uns dazu einen fränkischen Wurstsalat (Vitamine sind wichtig!) geteilt, bevor es wieder zurück zum Main ging. Kunst am Wegesrand animierte uns noch dazu ein paar Bildchen zu machen. In Obereisenheim mussten wir noch mal den Main überqueren. Ohne Wartezeit konnten wir gleich auf die kleine Mainfähre fahren, um auf die linke Mainseite zu gelangen. Wir waren am Verdursten, aber es fand sich keine passende Lokalität am Wegesrand. Also beschlossen wir, die Zähne zusammen zu beißen und die letzten paar Kilometer entlang idyllischer Weinberge nach Volkach quasi auf "Reserve" zurückzulegen. Volkach ist ein nettes kleines mittelalterliches Städtchen, geprägt vom Weinbau. Wir waren nämlich mittlerweile in Weinfranken angekommen. Dementsprechend gab's in der Kneipe unserer Wahl dann auch nichts außer Wein bzw. Weinschorle. Für den normalen Mitteleuropäer hat Weinschorle eine zwar durstlöschende, aber auch ziemlich benebelnde Wirkung, wenn es in entsprechender Geschwindigkeit und Menge zugeführt wird. Dementsprechend lustig waren wir nach der zweiten Halbliterschorle auch, obwohl wir mittels Gebäck vom nahegelegenen Bäcker versucht haben, die Geschwindigkeit, mit der der Alkohol in die Blutbahn gelangt, etwas zu bremsen. Mit mäßigem Erflog. Zum Glück war unser Weingasthof Rose nicht weit und wir haben dort gleich eingecheckt.

Unser Zimmer im Weingasthof Rose kann man als barrierefrei bezeichnen, das Bad war zwar nicht rollstuhlgerecht, bot aber genug Bewegungsfreiheit. Nachdem die Räder verstaut und wir geduscht waren, machten wir uns auf das Städtchen zu besichtigen. Auch ein tolles Restaurant haben wir recht schnell gefunden. Im überdachten Innenhof eines alten Weinbauernhofs befand sich mitten im Zentrum ein gemütliches Restaurant. Allerdings waren wir nicht die Einzigen, die in diesem Ambiente speisen wollten. Dementsprechend voll war der Laden dann auch. Wir setzten uns zu einem älteren Herrn an den Tisch und unterhielten uns recht gut mit ihm. Als wir gingen stellte sich heraus, dass er im selben Hotel wie wir untergekommen war. Auf dem Weg dorthin sind wir noch mal kurz auf ein Weinchen bzw. Schnäpschen eingekehrt. Es kam mittlerweile ein sehr starken Wind auf. Die für die Müllabfuhr bereitgelegten gelben Säcke flogen nur so durch die Straßen, dann fing es auch noch heftig an zu regnen. Zum Glück mussten wir nur die Straße überqueren. Müde fielen wir ins Bett und schliefen ungestört durch bis zum nächsten Morgen.

 

2. September 2009, Volkach - Würzburg, 60,3 km, 116 hm

Der nächtliche Regen hatte sich wieder verzogen und die Sonne schien wieder wie gewohnt. Das Frühstück war sehr gut und reichhaltig. Nach dem Auschecken zogen wir los. Heute war eine eher kurze Etappe vorgesehen, und so ließen wir uns entsprechend Zeit. Wir entschieden uns, die Mainschleife nach Volkach auszulassen und eine Abkürzung über einen nicht allzu bissigen Bergrücken zu nehmen. Das sparte uns etwa 5 km, allerdings mussten wir auf einem Radweg entlang der Bundesstraße fahren. In Gerlachshausen trafen wir wieder auf den Radweg.  Weiter ging's über Mainsondheim und Mainstockheim nach Kitzingen. Dort gönnten wir uns ein Päuschen. Weiter ging's auf schönen Radwegen, meist direkt am Main und entlang der Bahnstrecke Richtung Würzburg. Schon von weitem ist die Festung Marienberg zu sehen. In der Stadt angekommen haben wir zunächst wieder mal nach einem Biergarten Ausschau gehalten, um unseren Durst zu stillen. Also rasch die Räder abgestellt und los ging's zunächst auf die alte Mainbrücke, die ausschließlich Fußgängern vorbehalten ist. Dort gab's zwar ein paar Kneipen, aber fündig wurden wir dann erst als wir uns hinters Rathaus begaben. Danach haben wir noch einen kleinen Stadtrundgang unternommen. Eine fränkische Bratwurst und ein Fischbrötchen auf die Hand stillten den gröbsten Hunger, bevor wir unsere Räder wieder sattelten und uns auf zum Hotel machten. Das Hotel Ibis liegt etwas außerhalb vom Zentrum, direkt am Main. Wir steigen recht gerne im Ibis ab, weil alle Hotels ähnlich ausgestattet sind und man recht genau weiß, was einen erwartet, wenn man ein barrierefreies Zimmer bucht. So war es auch hier, Bad und Bett waren weitgehend barrierefrei. Leider sind die Rolli-Zimmer im Ibis meist Einzelzimmer. Für mich hatte man ein Beistell-Bett bereitgestellt.

Die Räder mussten heute im Foyer des Hotels parken, weil es keine Tiefgarage gab. Am Empfang konnte man uns auf die Frage nach einem guten Restaurant in der Nähe nur einen Italiener und einen Chinesen empfehlen. Wir essen beide gerne Italienisch, aber wenn man schon in Franken ist, muss das ja nicht gerade sein. Also haben wir selbst etwas gesucht und sind gegenüber vom Hotel fündig geworden. Dort gab es einen verwunschenen Biergarten, wo wir uns mit fränkischer Kost stärkten. Vor dem Zug-Bett-Gehen nahmen wir die nähere Umgebung des Hotels noch in Augenschein. Nebenan war eine Strandbar mit Liegestühlen, Sandstrand etc aufgebaut, aber leider geschlossen. Getränke für den Abend holten wir von der Tankstelle gegenüber dem Hotel.

Das Ambiente der Ibis-Zimmer ist immer zweckmäßig und nüchtern, aber nicht wirklich gemütlich. Trotzdem sind wir auch hier rasch eingeschlafen und haben eine relativ ruhige Nacht verbracht.   

 

 

3. September 2009, Würzburg - Marktheidenfeld, 78,7 km, 112 hm

Der erste Blick aus dem Fenster bestätigte, dass die Wettervorhersage vom Vorabend zutreffend war. Dicke Wolken hingen über der Stadt. Noch war es trocken. Frühstück haben wir uns gespart, ist uns in den Hotelketten wie Ibis meist zu teuer, zumal Britta morgens nur eine Tasse Kaffee braucht. Also ging's ohne Frühstück los. Zwar hielten wir auf den ersten Kilometern halbherzig Ausschau nach Möglichkeiten, ein Frühstück zu ergattern, aber andererseits blickten wir auch besorgt zum Himmel. Wir wollten vor dem Regen noch so weit wie möglich kommen. Also verdrängten wir das Bedürfnis nach einem Kaffee und gaben Vollgas. Der Radweg führte teilweise entlang dem Main, teilweise entlang einer Bundesstraße. Nach ca. einer Stunde Fahrt war es dann soweit. Es regnete, und zwar heftig. Britta hatte wieder ihr Ganzkörper-Kondom angelegt und blieb deshalb weitgehend trocken. Ich hatte aber keine Regenhose an Bord und die Regenjacke war auch schon etwas in die Jahre gekommen und dementsprechend undicht. Innerhalb von ein paar Minuten war ich deshalb patschnass, und mit der Nässe wurde mir auch ziemlich kalt. Bis Karlstadt mussten wir aber noch durchhalten. Dort suchten wir ein Cafe, wo wir überdacht draußen sitzen konnten. Das war auch schnell gefunden, und endlich gab es Frühstück, diesmal ob der fortgeschrittenen Zeit in Kombination mit dem Mittagessen. Allmählich lies es der Regen nach. Das Schlimmste schien schon vorbei zu sein. Bei leichtem Nieselregen fuhren wir weiter entlang des Mains auf gut ausgebauten Radwegen nach Gemünden. Trotz des nicht so tollen Wetters machten wir auch hier einen kurzen Rundgang, bevor wir uns die letzten Kilometer nach Marktheidenfeld gegen heftigen Gegenwind kämpften. Der Main macht hier nämlich beinahe eine 180° Kehrtwende, und was bisher kaum als Rückenwind wahrnehmbar war, entpuppte sich nun als orkanartiger Gegenwind.

Wir wussten schon, dass das Zimmer, das wir dort gebucht hatten, nicht besonders rolli-tauglich ist. Allerdings war die Tür zum Bad in unserem Zimmer extrem schmal. Britta hat's mit ihrem sehr schmalen Rolli gerade so geschafft, nicht ohne den einen oder anderen Kratzer in der Zarge zu hinterlassen. Dabei hatten wir bei der Reservierung die Türbreite messen lassen. Aber beim Einchecken hatte man uns schlicht das falsche Zimmer gegeben. Egal, wir sind auch so einigermaßen klar gekommen. Wegen des Regens war Britta's Rolli ziemlich eingesaut. In der Dusche habe ich den Rollstuhl vom gröbsten Dreck und plattgefahenen Schnecken befreit. Ein Stadtrundgang und ein gutes Essen haben den Tag abgerundet und müde ging's zurück ins Hotel.

 

4. September 2009, Marktheidenfeld - Bürgstadt, 57,3 km, 99 hm

Frühstück war ok. Nicht so üppig wie die Tage davor, aber akzeptabel. Das Wetter sah, bis auf den heftigen Wind, auch nicht so schlecht aus. Der Himmel war zwar wolkenverhangen, aber es war trocken. Auf schönen Radwegen direkt am Main entlang ging's zunächst nach Wertheim, wo wir den ersten Boxenstop einlegten. Immer entlang des Mains ging's weiter über Faulbach, wo es dann wieder anfing zu nieseln, nach Bürgstadt.

Dort angekommen checkten wir gleich im Landhotel Adler ein. Dort gibt es ein wirklich tolles Rolli-Zimmer mit barrierefreien sanitären Einrichtungen, und zudem nagelneu. So neu, dass die Handwerker noch in den Nebenzimmern zugange waren.

Wieder war erst mal Rolliwäsche angesagt. Zu Abend gegessen haben wir ob des lausigen Wetters im Restaurant des Hotels. Dieses ist allerdings nicht barrierefrei zu erreichen. Es gilt 5 Stufen zur Gaststätte zu überwinden. Das Essen war in Ordnung und wir ließen uns mächtig Zeit dabei. Zu einem kleinen Rundgang im Ort reichte es aber trotzdem noch, bevor wir uns zur Nachtruhe zurück ins Zimmer begaben.

 

5. September 2009, Bürgstadt - Aschaffenburg, 46,3 km, 112 hm

Der Regen hatte sich über Nacht verzogen und die Sonne schien endlich wieder. Frühstück war gut und reichlich, der Frühstücksraum aber nur über besagte 5 Stufen zu erreichen. Nach dem Auschecken machten wir noch ein Bildchen vor dem Hotel und dann nahmen wir die letzte kurze Etappe in Angriff. Zunächst führte uns der Radweg nach Miltenberg. Dort gibt es eine sehenswerte Altstadt, die wir aber von einem früheren Besuch dort schon kannten. Im weiteren Verlauf führt der Radweg fast immer direkt am Main entlang. Vorbei an Homburg (nicht zu verwechseln mit Bad Homburg bei Frankfurt) und Wörth fuhren wir nach Obernburg am Main. Dieser muss auch das eine oder andere Mal überquert werden. Durch Großwallstadt ging's dann weiter nach Aschaffenburg, wo wir einen letzten Anstieg zum Parkplatz unseres Autos zu überwinden hatten.

 

Rückreise

Nach dem Verladen der Ausrüstung ging die Rückreise stressfrei und rasch vonstatten.

 

Fazit

Der Main-Radweg zwischen Bayreuth und Aschaffenburg  ist für Handbiker gut geeignet. Die einzigen nennenswerten Anstiege sind direkt am Anfang zu bewältigen, aber auch diese halten sich betreffend Dauer und Steilheit in erträglichen Grenzen. Der Umweg über Thurnau ist nur für fitte Handbiker oder mit entsprechender Aufstiegshilfe in Form eines Hilfsmotors zu empfehlen. Der Anstieg ist aber, da er sich zum größten Teil auf einer stillgelegten Bahntrasse befindet, recht moderat. Richtig steil ist allerdings der Aufstieg nach Vierzehnheiligen. Dieser lässt sich allerdings recht einfach umgehen, indem man im Maintal bleibt. Die Oberfläche der Wege ist meist asphaltiert, gelegentlich gibt es verdichteten Schotter, der aber auch problemlos mit dem Handbike zu bewältigten ist.

Die Landschaft ist vielfältig, anfangs geprägt von Feldern, Wiesen und Obstgärten, später, in Weinfranken führt der Weg entlang von Weinbergen und gegen Ende der Tour prägt der rote Sandstein das Bild. Kulinarisch, das ist für uns auch immer recht wichtig, ist Franken mit der deftigen Küche sowieso eine Reise wert.

Brittas akribische Vorarbeit hat sich wieder ausgezahlt. Sowohl Anreise als auch die Übernachtungen waren für uns diesmal relativ problemlos, bis auf die gewohnten Hindernisse.

Nähere Infos über den Radweg sind auch unter http://www.mainradweg.com/  zu finden. Dort gibt es viele nützliche Informationen über Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und auch die originale, gesamte  Strecke als GPS-Datei zum Download (599 km bis nach Mainz).

 

Die nackten Zahlen: