Transalp 2026

04. – 10.7.2026

Bludenz (A) – Riva (I)

416 km, 11558 hm, 7 Etappen


Und täglich grüßt das Murmeltier… auch dieses Jahr stand, wie jedes Jahr, wieder eine Alpentour mit dem Mountainbike auf dem Programm. Erfreulicherweise konnten wir dieses Jahr wieder mit der kompletten Starbesetzung antreten, da auch Seppl wieder dabei war.

Gunther hat im Vorfeld wieder eine schöne Route ausgearbeitet. Eher etwas Klassisches sollte es sein, altersgerecht, aber auch nicht zu lasch. Der Zielort sollte dieses Jahr wieder mal der Gardasee sein. Sieben Tage, inklusive Anreise haben wir uns für die Tour Zeit gegeben.


Samstag, 4. Juli 2026, Anreise und erste Etappe

Bludenz (A) – Silbertal (A), 20,2 km, 354 hm ↗, 76 hm ↘

Die Anreise war wie immer eine logistische Herausforderung, da wir in verschiedenen Ecken der Republik wohnen. Seppl und Gunther wollten sich in Göppingen treffen und von dort zusammen mit einem Auto weiter nach Bludenz zuckeln. Eigentlich ein schlüssiger Plan, hätte Seppl nicht die Ausfahrt von der A8 verpennt, was ihm einen Ausflug über die sehr sehenswerte schwäbische Alb bescherte. Pünktlich am Treffpunkt in Göppingen war er trotzdem.

I ch war schon am Vortag von Köln nach Ulm zu meinen Eltern gefahren. Vor der Abfahrt nach Bludenz machte ich noch einen kurzen Umweg in die Ulmer Innenstadt, um dort im Gold Ochsen Shop ein Radtrikot mit regional-patriotischem Aufdruck zu erstehen. Vom Stau rund um Ulm wegen der Baumaßnahmen auf der B10 habe ich deshalb, im Gegensatz zu Gunther und Seppl, nichts mitbekommen. Deshalb war ich so früh unterwegs, dass ich mir das obligatorische Autobahn-Pickerl für die Autobahnen in Österreich sparte und die letzten 25 Kilometer auf der Landstraße zum Treffpunkt bummelte.

Wir hatten uns auf dem Parkplatz am Sportplatz in Bür bei Bludenz verabredet, weil eine Analyse der Google Earth Satellitenbilder vermuten ließ, dass wir dort unsere Boliden einigermaßen sicher für die Dauer der Tour parken können. Was uns dabei entgangen war, ist die Tatsache, dass es an diesem Sportplatz nicht nur einen Parkplatz gibt. Und so wartete ich an einem der Parkplätze, während Gunther und Seppl an einem anderen ankamen. Dank moderner Kommunikationstechnologie ließ sich dieses Problemchen aber rasch beheben.

Nachdem wir unser Equipment klar gemacht und die Radflaschen gefüllt hatten, stand noch eine schwierige Entscheidung an… sollten wir Kompass-Karten mitnehmen oder nicht? Die demokratische Abstimmung ging 2:1 zugunsten von „Keine Karten“ aus, in der Hoffnung, dadurch etwas vom suboptimalen BMI unserer Athleten-Körper zu kompensieren. Wir hatten ja drei Navis dabei, und sollten alle Stricke reißen, kann man ja zur Not auch mit den Handys navigieren. Außerdem waren wir ja hauptsächlich auf bekanntem Terrain unterwegs… dachten wir.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging es um 16:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein endlich los zur ersten, sehr kurzen Etappe. Erst fuhren wir auf dem Radweg entlang der Ill, dann auf einer wenig befahrenen Straße mit angenehmer Steigung rund 350 Höhenmeter zum Örtchen Silbertal. Schon am Ortseingang wurden wir mit zünftiger Blasmusik empfangen, allerdings spielte die Kapelle nicht für uns auf, sondern wegen dem gerade stattfindenden „Dämmerschoppen“ auf dem Dorfplatz.

Wir hatten eine Ferienwohnung bei „Faneska“ gebucht, weil ein erschwingliches Hotelzimmer im Ort nicht zu bekommen war. Der Empfang dort war sehr freundlich. Wir gönnten uns erst mal ein Bier auf der sonnigen Terrasse. Nach dem Duschen machten wir uns auf ins Dorf. Der Dämmerschoppen war leider schon zu Ende. Etwas Essbares ergatterten wir im Gasthaus Hirsch, in dem gerade auch die besoffene Dorfjugend zu Gast war. Die resolute junge Wirtin hatte die Krawallbrüder aber routiniert im Griff. Offenbar waren die Vögel dort in ähnlichem Zustand öfters anzutreffen. Das Essen war gut und der Service durch die voluminöse ungarische Bedienung war auch zu unserer Zufriedenheit. Um 22:30 Uhr gingen wir zurück zu unserer Unterkunft, weil das Nachtleben im Silbertal nichts mehr hergab. Seppl und ich teilten uns ein Doppelzimmer, Gunther residierte im Einzelzimmer.


Sonntag, 5. Juli 2026, zweite Etappe

Silbertal (A)- Fimbatal (A), 53,2 km, 2134 hm ↗, 1064 hm ↘

Gut ausgeschlafen trafen wir uns um 7:30 Uhr zum Frühstück. Eigentlich sollte es bei Faneska kein Frühstück geben, aber es war Sonntag und die Läden waren zu. Deshalb gab es Kaffee und Brötchen, den Belag und Joghurt fürs Müsli konnten wir zu stolzen Preisen im zugehörigen Bio-Laden käuflich erwerben. Der Käse, den wir uns ausgesucht hatten, begleitete uns noch ein paar Tage in Seppls Rucksack. So relativierte sich der Preis.

D as Wetter war gut, aber für den Abend waren Gewitter vorhergesagt. Deshalb beeilten wir uns bei der Morgentoilette und waren um 9:00 Uhr auf der Piste. 1450 Höhenmeter am Stück standen erst einmal auf dem Programm, zuerst auf einem sehr steilen Forstweg, auf welchem auch viele eBiker unterwegs waren. Dann wurde das Terrain zum Glück etwas ruppig. Zwar mussten auch wir hier schieben, aber eBiker gab es hier keine mehr. Einen Biker aus dem Allgäu haben wir hier auch getroffen. Wir haben uns mit ihm über unsere weiteren Pläne unterhalten, und er sagte, dass die Uina-Schlucht wohl wegen Murenabgängen gesperrt wäre. Mist, das hatten wir eigentlich für morgen geplant.

Nach einer etwa 30-minütigen Schiebepassage kamen wir am Silbertaler Winterjöchl an. An der Stelle, an der wir uns traditionell immer verfahren, haben wir diese Tradition auch dieses Jahr beibehalten und mussten deshalb ein paar Meter am Pumpwerk über den Bach tragen, um auf den Wirtschaftsweg zur Neuen Heilbronner Hütte zu gelangen. Dieser ist gut fahrbar und auch den Singletrial, auf den wir kurze Zeit später abbogen, konnten wir zu einem großen Teil fahren. Hier waren wieder viele Biker mit und ohne Motor unterwegs zur Hütte. Die letzten Meter zur Hütte verliefen relativ höhengleich entlang eines kleinen Bergsees.

Mittlerweile war es bewölkt und es blies ein kalter Wind. Deshalb war die Hütte bumsvoll mit Radfahrer und Wanderer. Wir haben trotzdem noch einen Tisch ergattert und bestellten Speckknödelsuppe und Schiwasser. Nach kurzer Zeit gesellten sich drei Radfahrer und ein eBiker zu uns. Aus dem beeindruckenden Redeschwall des eBikers, der anscheinend gerade eine Bergwertung der Tour de France gewonnen hatte, konnten wir untrüglich schließen, dass die vier im Rheinland zuhause waren.

D ie Abfahrt nach Galtür ist komplett fahrbar. Weiter ging es auf einem Radweg nach Ischgl, wo wir nochmal eingekehrt sind, um etwas zu trinken. Für Seppl gab es dort auch endlich den obligatorischen Apfelstrudel mit Vanille-Eis. So gestärkt nahmen wir die sehr steile Auffahrt unter der Seilbahn hoch zur Bodenalpe in Angriff. Die gut 500 Höhenmeter absolvierten wir in knapp einer Stunde.

Die Bodenalpe macht einen etwas betagten Eindruck und hat 80er-Jahre-Flair. Beim Einchecken wollte man uns in ein Dreibett-Zimmer stecken. Wir hatten aber, wie üblich, ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer gebucht und auch bezahlt. Weil kein Doppelzimmer verfügbar war, bot man uns drei Einzelzimmer an. Diesen Deal fanden wir natürlich gut und haben den Verhandlungserfolg gleich mit einem Bier im Gastraum begossen. Gunther und Seppl ließen noch die Sauna anheizen. Mein Fall ist das ja bekanntlich nicht. Ich genoss deshalb solange die Ruhe in meinem Einzelzimmer.

Die Bodenalpe liegt ziemlich einsam im Fimbabach-Tal. Alternative Gastronomie gibt es in der Nähe nicht, deshalb hatten wir Halbpension gebucht. Ausgewogene Sportlernahrung in Form von Schnitzel mit Pommes sollte gereicht werden. Um das Menü ernährungsphysiologisch aufzuwerten, haben wir dazu noch Nudeln mit Pesto anrollen lassen. Suppe, Nudeln und Schnitzel waren gut, nur der Topfenstrudel, der zum Nachtisch gereicht wurde, war lausig. Das entsprechende Qualitätsfeedback unseres Süßspeisen-Experten hat die nette Bedienung lächelnd zur Kenntnis genommen.

Jetzt mussten wir noch die Strecke für den nächsten Tag umbauen. Eine Internet-Recherche bestätigte, dass die Uina-Schlucht tatsächlich unpassierbar war. Papierkarten wären in dieser Situation vielleicht nützlich gewesen, aber die liegen ja in Bludenz im Auto.

Glücklicherweise hat Gunther genau für diese Etappe in weiser Voraussicht zuhause zwei Alternativen ausgearbeitet. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir den Übergang durch die Uina-Schlucht wetterbedingt abblasen müssen. Wir haben uns die längere der beiden Alternativen ausgesucht, da bei dieser der Straßenanteil geringer war. 21:30 Uhr ging‘s ins Bett. Draußen regnete es wie angekündigt.


Montag, 6. Juli 2026, dritte Etappe

Fimbatal (A) – Mals (I), 69,6 km, 1606 hm ↗, 2310 hm ↘

Einzelzimmer ist toll, trotzdem habe ich aus unerfindlichen Gründen schlecht geschlafen. Nachts regnete es immer mal wieder. Zum Glück blieben meine Schuhe, die ich zum Auslüften außen auf die Fensterbank gestellt hatte, einigermaßen trocken.

Das Frühstück war ganz passabel, nur der Kaffee war lausig. Die eigentlich recht günstige Unterkunft verteuerte sich durch die vielen Getränke und die Nudeln vom Vorabend signifikant, aber sei’s drum… Immerhin sollte es heute durch die Schweiz gehen, und da ist es sinnvoll, gut gesättigt anzutreten.

Abfahrt war um 9:00 Uhr, kurz nach einer großen Radlergruppe. Diese Gruppe sollten wir die nächsten drei Stunden immer wieder treffen. Der Weg führte uns bei bewölktem Himmel zuerst über eine gut fahrbare Forststraße zu einem Bauernhof. Dort endete der Wirtschaftsweg und ein für uns nicht fahrbarer Singletrial begann. Teils schiebend, teils tragend kämpften wir uns 350 Höhenmeter nach oben auf den Fimberpass auf 2608 Meter.

Oben auf dem Pass war es ziemlich kalt und sehr windig. Außerdem traf nach kurzer Zeit die Vorhut der Radlergruppe ein. Deshalb verweilten wir auf der Passhöhe nicht lange und nahmen die sehr trialige Abfahrt in Angriff. Teilweise haben wir altersbedingt geschoben, aber das meiste war auch für uns fahrbar. Das Wetter wurde langsam besser, und als wir auf den Wirtschaftsweg nach Vna abbogen schien sogar die Sonne.

Wir waren also in der Schweiz… zum Glück nur kurz. So mussten wir uns nicht dem schlechten und überteuerten Essen und dem lausigen Service aussetzen. Die Grenze in die kulinarische Zivilisation war nicht weit, noch ein paar Meter auf der Straße nach Ramosch im Tal des Inns, der hier die Grenze nach Österreich markiert.

B ei einem kurzen Nostalgie-Foto-stopp (da haben wir vor ein paar Jahren schon mal ein Bild gemacht) beim Sägewerk mit dem Holz vor der Hütte hat Seppl seine Brille liegen lassen, den Verlust aber schnell bemerkt. Zum Glück war die Brille noch da…2022 hatte er unweit von hier mit seinem Handy weniger Glück .

Die Alternativ-Strecke, die Gunther ausgearbeitet hatte, führte uns auf einer nicht besonders stark befahrenen Straße etwa 400 Höhen­meter nach Nauders und von da auf ein­em Rad­weg nach Reschen. Irgendwie hab ich hier die anderen beiden aus den Augen verloren. Bei der Talstation der Seilbahn zwischen Nauders und Reschen haben wir uns dann wiedergefunden. Dort gönnten wir uns ein paar Kaltgetränke (und Seppl natürlich einen Apfelstrudel), während wir die abfahrenden Seilbahn-Downhiller a ller Talent-Stufen beobachteten.

Weiter ging es auf dem Radweg am Westufer des Reschen-Sees. Der Radweg ist sehr schön und auch ruhig, weil abseits der Straße. Erschreckend war aber der niedrige Wasserstand im Reschen-See. Der Kirchturm, der normalerweise aus dem See ragt, war wegen Niedrigwasser trockenen Fußes erreichbar. Ab dem Staudamm ging es dann weiter auf dem Achterbahn-Radweg nach Burgeis, wo wir wieder auf die ursprüngliche Route trafen

Der Radweg führte uns weiter nach Mals, wo wir im Garni Sonne eine günstige Bleibe gebucht hatten. Die Ausstattung war allerdings sehr spartanisch. Gunther hatte zwar ein Einzelzimmer, welches aber weder über eine Dusche noch eine Toilette verfügte. Beides musste er sich mit den Mitbewohnern seiner Etage teilen. Seppl und ich teilten uns ein Doppelzimmer, das wenigstens eine Toilette hatte.

Warmes Essen konnte uns der Wirt nicht bieten, und weil heute Montag war, waren alle Restaurants im Ort geschlossen. Den ersten Hunger stillten wir mit einer Schinken-Käse-Platte, die uns der Wirt Stanis kredenzte. Stanis hatte auch eine Idee, wie wir an ein warmes Abendessen kommen. Wir sollten im Hotel Tyrol anrufen, einen Gruß von ihm sagen und fragen, ob wir dort am Menü der Hotelgäste teilnehmen könnten. Während Gunther dort anrief, hat sich spontan ein Motorradfahrer vom Nebentisch gemeldet… wir haben Herbie, so hieß der Knabe, kurzerhand für den Abend in unsere Gruppe adoptiert.

Die Radjugendgruppe vom DAV, die ebenfalls in der Sonne residierte, stand vor einem ähnlichen Problem. Die Gruppe hat sich aber für den Pizzadienst entschieden… Vegetarische Pizza war im Reisepreis inbegriffen, nicht-vegetarische Pizza war aber selbst zu bezahlen. Seltsame Politik, ob man so dem Mitgliederschwund entgegenwirkt, darf bezweifelt werden.

Unser Essen im Hotel Tyrol war jedenfalls prima, und Herbie, ein pensionierter Polizist aus Berlin ein guter Gesprächspartner. Es gab Nudeln, Suppe, Schmorbraten und ein Schoko-Muffin, alles in sehr übersichtlichen Portionen. Nach dem Essen watschelten wir zurück zum Garni. Wir tranken noch ein Bier mit Herbie auf der Terrasse, während Seppl sich das WM-Spiel Spanien – Portugal auf dem Fernseher im Gastraum ansah. Nachdem Spanien gewonnen hatte verabschiedeten wir uns von Herbie und verkrochen uns um 22:30 Uhr in unsere Gemächer.


Dienstag, 7. Juli 2026, vierte Etappe

Mals (I) – Bormio (I), 51,2 km, 2032 hm ↗, 1889 hm ↘

Um 7:30 Uhr sind wir ausgeruht zum Frühstück angetreten. Die sympathische DAV Jugendgruppe hatte sich schon im Frühstücksraum eingefunden und einen entsprechenden Radau veranstaltet. Gunthers Kampf um die Etagentoilette ging offenbar friedlich über die Bühne und um 8:45 Uhr war Abfahrt. Der Weg, der uns erst durch Mals und dann aus dem Dorf führte, hörte unvermittelt mitten auf einer Obstwiese auf. Offroad stapften wir durch die Obstplantage, wo wir eine kalte Dusche von der Beregnungsanlage erhielten. Entlang dem Flüsschen Rom ging es leicht bergan auf einem schönen Radweg. Dort haben wir auch die DAV-Gruppe wieder eingeholt. Die Gruppe sollte uns in den nächsten beiden Tagen noch öfters begegnen. Das Wetter war sonnig, aber noch nicht zu heiß. Gerade richtig für die Straßen-Auffahrt auf den Umbrai-Pass. Hier waren viele Rennradler und noch mehr Motorradfahrer unterwegs. Oben auf der Passhöhe auf 2503 Meter fing der Spaß für uns erst an. Dort zweigt nämlich ein Single-Trial ab, der zu einem großen Teil fahrbar ist. Der Trial führt hoch zum Boccetta di Forcola auf 2760 m. Von dem schönen, einsamen Trial hat man eine tolle Aussicht auf den Ortler-Gletscher, wo der Skilift in Betrieb war und sogar Skifahrer zu erkennen waren. Murmeltiere ließen sich hier auch gelegentlich blicken. Die letzten Meter zum Pass sind dann allerdings ziemlich giftig, und recht warm war es mittlerweile auch geworden, aber oben angekommen hatten wir das Gröbste für den Tag geschafft. Die Abfahrt war zu 80% fahrbar. Für uns ist das ein akzeptabler Schnitt. Der Singletrial mündete dann auf eine ziemlich steile Forstweg-Abfahrt.

Nur noch zwei kleine Anstiege auf dem Forstweg waren zu bewältigen, dann ging es auf Straße hinunter nach Bormio.

Es war sonnig und warm, und das Hotel Vitalis, wo wir zwei Zimmer reserviert hatten, hatte keine Bar zu bieten. Gegenüber befand sich aber ein kleiner Biergarten, wo wir nach dem Einchecken und Fahrräder-Verstauen unser Feierabend-Bier zelebrierten. Gunther hat dabei mittels Mobiltelefon und entsprechender Internet-Seiten das örtliche Gastronomie-Angebot durchforstet und eine Pizzeria für das Abendmahl auserkoren. Auf das Sauna-Angebot des Hotels haben Seppl und Gunther wegen der hohen Außentemperatur heute keine Lust gehabt.


Wir waren zum Glück recht zeitig bei der Pizzeria und bekamen deshalb gleich einen Platz zugewiesen. Das Essen war prima und während sich der Gastraum mit Gästen füllte erkannten wir, dass wir ziemliches Glück hatten, ohne Reservierung noch einen Platz zu ergattern. Seppl und Gunther gönnten sich nach dem Essen noch ein Eis auf die Hand. Für Bettruhe war es noch zu früh, die Hotelbar war aber geschlossen. Deshalb dackelten wir nochmal in die Stadt und orderten in einer Straßenbar ein Gute-Nacht-Bierchen, welches aber nicht den Qualitätsansprüchen von Gunther und Seppl genügte, und auch ich musste zugeben, dass das Gebräu lausig war. Die Geranien in den Blumenkästen der Bar haben sich aber vielleicht trotzdem darüber gefreut. Zurück im Hotelzimmer schauten wir noch ein bisschen Fußball. Die zweite Halbzeit des WM Viertelfinal-Spiels zwischen der Schweiz und Kolumbien haben wir dann aber verschlafen. Am nächsten Tag konnten wir aber aus dem Internet erfahren, dass wir nicht viel versäumt haben.


Mittwoch, 8. Juli 2026, fünfte Etappe

Bormio (I) – Pellizzano (I), 74,4 km, 2094 hm ↗, 2357 hm ↘

Die Nacht war ziemlich laut, weil wir das Fenster sperrangelweit offen hatten, um nicht den Hitzetod zu sterben. Das lag aber hauptsächlich daran, dass wir zu blöd waren, die Klima-Anlage in Betrieb zu nehmen. Die dafür notwendige Fernbedienung haben wir nämlich gleich bei Ankunft unter allem möglichen Pröll begraben. Leider kam das gute Stück erst beim morgendlichen Zusammenpacken wieder zum Vorschein. Zu allem Überfluss mussten wir erfahren, dass die Schweiz das Achtelfinale im Elfmeterschießen für sich entschieden hatte... Nazi-Gold schlägt Drogen-Dollars. Egal, erst mal zum Frühstück. Es gab nicht das übliche Buffet, sondern es wurde nach Karte beim etwas schleppend agierenden Servicepersonal bestellt. Ich hatte die Portionsgröße unterschätzt und gleich mehrere Gerichte geordert. Weil ich so erzogen bin, dass man Essen nicht wegwirft, habe ich mich deshalb deutlich überfressen.

Um 9:30 Uhr trafen wir uns bei den Fahrrädern zur Abfahrt. Dank unserer Garmins navigierten wir zielsicher durch Bormio direkt auf die Gavia-Passstraße. Der Gavia-Pass ist ein Straßenpass. Landschaftlich ist der Pass sehr schön. Dank des infernalischen Krachs der vielen Motorräder ist die Auffahrt aber kein Genuss, sondern ein notwendiges Übel, um auf die andere Seite nach Ponte di Legno zu gelangen. Viele Rennradler und auch unsere DAV Jugendgruppe kämpften sich ebenfalls auf der Straße zum Rifugio Bonnetta auf der Passhöhe, wo wir um 13:00 Uhr ankamen. Gunther und Seppl genehmigten sich dort eine Portion Spaghetti, mir genügte etwas Flüssigkeit, weil mir das üppige Frühstück noch wie ein Backstein im Magen lag.

Die Abfahrt nach Ponte di Legno ist sehr schön. Um die schmalen Tunnels werden Radfahrer auf Umfahrungen herumgeführt. Diese sind mittlerweile sogar asphaltiert. Das erste Mal, als ich hier war, war das noch nicht der Fall. Das war aber Ende des letzten Jahrhunderts.

Weil Gunther noch ein wichtiges Telefonat zu tätigen hatte, legten wir unten noch einmal einen Boxenstopp ein. Danach ging es weiter hoch zum Passo Tonale, ebenfalls ein Straßenpass. Ein Großteil der Strecke kann man zwar auf einem Radweg absolvieren, der beschert dem geneigten Radler aber viele zusätzliche Höhenmeter, weil er, gut sichtbar von der Straße, sinusförmig mit beachtlicher Amplitude um das Höhenniveau der Straße mäandriert. Wir haben uns deshalb für die Straße entschieden. Rücksichtslose LKW-Fahrer und offenbar wenig talentierte Motorradfahrer ließen uns aber während der Auffahrt an dieser Entscheidung zweifeln. Oben wollten wir eigentlich etwas trinken, um den Blutdruck wieder in den grünen Bereich zu zwingen, aber die Bedienung hat uns demonstrativ ignoriert. Deshalb sind wir nach einigem Warten auf den Service weitergefahren. Nur noch ein paar hundert Meter mussten wir uns über diese Straße quälen, dann bogen wir rechts auf einen tollen Schotterweg ab. Der Weg führte uns abseits der Straße vorbei an Wasserfällen und entlang von Gebirgsbächen. Die vielen Warnschilder vor rumstreunenden Braunbären haben uns nicht weiter beunruhigt. Lieber fünf Bären als von einem LKW plattgefahren zu werden. Die letzten Kilometer führten über einen gut ausgebauten Radweg nach Pellizzano.

Das Hotel Cova in Pellizzano, wo wir zwei Zimmer gebucht hatten, haben wir schnell gefunden. Wir haben gleich die Räder in der ziemlich chaotischen Garage verstaut. Nach dem Einchecken tranken wir noch ein Bier auf der Hotel-Terrasse direkt an der Hauptstraße. Hoffentlich wird die Nacht nicht zu laut...

Seppl und Gunther wollten nicht im Hotel zu Abend essen, Gunther hat deshalb gleich sein Tamagotchi gestartet, um ein kundenzertifiziertes Etablissement für die abendliche Kohlenhydrat-Aufnahme zu suchen. Nach den allabendlichen Hygienemaßnahmen trafen wir uns um 19:00 Uhr. Die auserwählte Pizzeria war nur 5 Geh-Minuten entfernt. Wir saßen draußen, der Service war fix (wir waren allerdings anfangs auch die einzigen Gäste), der Nachbar machte nur kurz Krach und war schnell fertig mit Rasenmähen. Es gab Nudeln zur Vorspeise und Pizza danach. Die Pizza war ok, die Nudeln eher etwas zu al dente. Aber wir waren satt und zufrieden. Eine gesprächige Oma hatte während des abschließenden Gute-Nacht-Bier auf der Hotelterrasse ein Auge auf Gunther geworfen. Kein Wunder, als ältester in unserer Gruppe passte er wohl perfekt in ihr Beuteschema. Gunther widerstand aber der Versuchung… glaube ich. Um 22:30 Uhr legten wir uns schlafen.


Donnerstag, 9. Juli 2026, sechste Etappe

Pellizzano (I) – Berguzo (I), 58,3 km, 1717 hm ↗, 1801 hm ↘

Wie befürchtet war der Straßenlärm in unserem Zimmer auch in der Nacht deutlich zu hören. Zudem befand sich gegenüber von unserem Zimmerfenster ein Werbeschild einer Apotheke, das die ganze Nacht hindurch unser Zimmer in gleisendes und blinkendes grünes Licht tauchte, so als schliefe man mitten in einer UFO-Einflugschneise. Die Klappläden zu schließen erwies sich als wenig praktikabel, weil sich dann die Bude in wenigen Minuten so aufheizte, dass an Schlafen nicht zu denken war. Pest oder Cholera also… Gegen Morgen konnten wir dann endlich einschlafen und haben auch prompt verpennt. Nicht so schlimm, wir erwarteten für heute eine eher entspannte Etappe. Das Frühstück war überraschend gut. Gunther konnte auch endlich seinen wichtigen Anruf tätigen.


Um 10:45 Uhr war Abfahrt. Die meisten Höhenmeter waren gleich zu Anfang zu bewältigen. Ein Wirtschaftsweg führte uns durch ein Skigebiet. Erst war der Weg gut fahrbar, dann wurde er so steil, dass wir schieben mussten. 1250 Höhenmeter bewältigten wir so teils fahrend, teils zu Fuß. Der Track, den Komoot bei der Planung vorschlug, stellte sich vor Ort als nicht existent heraus, deshalb mussten wir spontan etwas umbauen. N ach 15 Minuten Schieben auf einem Singletrial dachten wir eigentlich, dass wir es geschafft hätten. Das Refugio an der Bergstation eines Sessellifts (der gerade nicht in Betrieb war), war leider geschlossen. Also weiter teils fahrend, teils schiebend durch das Bären-Revier. Endlich erreichten wir das Rifugio Bruno, das nach dem berühmten Problembär benannt ist. Bruno, auch unter seinem Decknamen JJ1 bekannt, war hier bis zum Frühjahr 2006 zuhause, bevor er dann seine Wanderung nach Norden antrat. Unterwegs riss er mehr als 30 Schafe und Ziegen, was nicht gerade zu seiner Popularität beitrug, besonders unter den Landwirten. Am 26. Juni 2006 gegen 4:50 Uhr morgens wurde Bruno auf der Kümpflalm nahe der Rotwand im Spitzingseegebiet bei Bayrischzell erschossen. Er war zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Jahre alt.

In der Hütte war einiges los, anscheinend war in Italien heute Schul-Wandertag. Schon auf dem Weg nach oben haben wir einige wandernde Schulklassen gesehen und auch die Hütte war voll mit Schülern. Wir gönnten uns auf der Terrasse des Rifugios eine Stärkung und machten uns trotz des tollen Ausblicks auf das Brenta-Massiv relativ schnell wieder vom Acker. Die Abfahrt verlief zuerst auf einem fahrbaren Schotterweg, bevor wir auf einen Singletrial abbogen. Ab hier war für die nächste Stunde Schicht mit Fahren. Erst dachten wir, es wäre nur das kleine Stück bis zum Lago di Malghette auf knapp 1900 Meter. Der idyllische See ist allerdings nur über steile Singletrials und einen Materialaufzug zu erreichen. Also nochmal 30 Minuten bergab Schieben und Tragen. Es war sehr warm, der Tacho zeigte schon 15:00 Uhr… und wir hatten n och gut 50 Kilometer zu fahren. Wenn wir mit dieser Pace weiterfahren, schaffen wir es vielleicht bis morgen zum Frühstück. Weiter ging es nach Madonna di Campiglio. Ab hier wurde es entspannter und wir folgten der Mountainbikeroute durch das Valle Campiglio und dann dem Fahrradweg entlang des Flüsschens Fiume Sarca. Das war angenehm zu fahren, immer weg vom Autoverkehr und leicht bergab. So kann man gut Kilometer schrubben. Für die letzten 5 Kilometer und 280 Höhenmeter mussten wir leider wieder auf die Straße… und auf dieser war auch ziemlich viel Verkehr. Die Auffahrt war aber schnell erledigt. Das Hotel Carlone war das günstigste auf unserer Tour. Es machte zugegebenermaßen von außen einen etwas verwohnten Eindruck und war für die Location ziemlich überdimensioniert. Aber der Empfang war freundlich, die Zimmer waren sauber und einen Willkommenssnack zum Feierabendbier in Form einer Schinkenplatte aufs Haus gab es auch. Nach der abendlichen Hygiene-Routine trafen wir uns um 19:45 Uhr auf der Terrasse. Wir wollten zum Essen ein paar hundert Meter die Hautstraße entlang zu einem Restaurant mit ansprechenden Internet-Rezensionen gehen. Im auserwählten Gourmettempel waren wir zwar trotz unseres gesetzten Alters mit Abstand die jüngsten, das Essen war aber tadellos, auch die hausgemachte Torte bestand den Qualitäts-Check unseres Süßspeisen-Gurus mit Bravour. Ein Bier auf der Hotelterrasse musste aber auch heute noch sein, bevor wir uns in unsere Gemächer verzogen. Während Seppl sich die erste Halbzeit des Viertelfinal-Spiels zwischen Frankreich und Marokko ansah, hat Gunther aufgrund der heutigen Erfahrungen mit dem Komoot-Routing noch kurz die Route für den nächsten Tag umgebaut.


Freitag, 10. Juli 2026, siebte Etappe

Berguzo (I) – Riva (I), 88,7 km, 1621 hm ↗, 2344 hm ↘

Meine mitgebrachten Heavy-Duty-Industrie-Ohrstöpsel haben leider nicht ausgereicht, Seppls Schnarchen vollständig zu eliminieren, deshalb blieb mir nur, ihn zu wecken. Danach war Ruhe. Das Frühstück war recht gut. Gunther meinte zwar, der Lachs sähe traurig aus. Klar, das arme Vieh wurde ja auch gegen seinen Willen geräuchert. Mir hat er trotzdem geschmeckt. Um 9:45 Uhr brachen wir bei Kaiserwetter zur letzten Etappe auf. Die neue Route, die Komoot vorgeschlagen hatte, erwies sich nach ein paar Kilometer als unpassierbar. Wir hielten deshalb Kriegsrat und beschlossen einstimmig, die bekannte Strecke über Storo und den Lago di Ledro zu nehmen, um einen entspannten Abschluss der Tour zu haben. Der Radweg nach Storo verläuft idyllisch und fern von der Straße. In Storo fuhren wir dann sanft bergauf auf einer wenig befahrenen Straße. Als wir auf den Radweg Richtung Ledro abbogen, kamen wir am Schild zum Tremalzo vorbei. Dieser Berg hat auf mich eine gewisse Anziehungskraft. Er erinnert mich an meine frühen Bergrad-Zeiten, als es noch keine eBikes gab und ein Fahrrad noch kein Bluetooth und WLAN brauchte. Wie dem auch sei, ich wollte, wenn ich schon mal da bin, auch auf den Tremalzo radeln. Gunther und Seppl konnte ich von dem Vorhaben aber nicht überzeugen. Also trennten wir uns, und ich radelte die etwa 900 Höhenmeter auf den Tremalzo. Die Straße dort hoch ist kaum befahren, weil sie am Rifugio Tremalzo endet. Aber viele Rennradler und Mountainbiker sind da unterwegs. Etwa 90 Minuten hab ich bis zum Rifugio Tremalzo gebraucht. Wasser hatte ich noch, und außerdem war mir die unfreundliche Bedienung von unserem letzten Besuch dort noch in Erinnerung. Deshalb habe ich auf einen Einkehrschwung verzichtet und bin stattdessen noch die letzten paar Höhenmeter auf Schotter Richtung Tremalzo-Tunnel gefahren. Von dort kann man eigentlich schön runter nach Riva fahren. Auf das Gerüttel hatte ich aber keine Lust, und zudem ist die Strecke am Passo Notta schon etwas ausgesetzt und verblockt. So ganz alleine wollte ich mich da nicht auf die Nuss legen. Deshalb bin ich umgekehrt und die Asphalt-Straße nach Ledro gefahren. Von dort geht es, vorbei am Ledro-See auf einem t ollen Radweg hinunter auf die Ponale, jene ikonische Straße, die hoch über dem See in den Fels gehauen hinunter nach Riva führt. Für mich kann es keinen schöneren Abschluss einer Alpenüberquerung geben. Der Ausblick auf den See, auf Riva und den gegenüberliegenden Monte Baldo sind ein echter Knaller.

U m 15:00 Uhr bin ich in Riva angekommen und hielt Ausschau nach Seppl und Gunther. Weil ich die beiden nicht finden konnte, setzte ich mich in das Restaurant, in dem wir traditionell mit Spaghetti Vongole und ein paar Bier die erfolgreiche Überquerung feiern. Spaghetti hab ich nicht gegessen, aber zwei Bier gönnte ich mir schon. Diese haben bei der Hitze und ohne etwas feste Nahrung im Bauch auch schnell Wirkung gezeigt. Glücklicherweise dauerte es nicht lange, bis Seppl und Gunther eintrafen. Die Beiden waren noch in den Ledro-See gehüpft und haben sich auch noch ein Nickerchen im Schatten gegönnt. Jetzt war der Abschluss perfekt und wir konnten mit einem Finisher-Foto und den unvermeidlichen Spaghetti Vongole unseren Erfolg zelebrieren.

S eppl organisierte noch kurz ein Trikot als Mitbringsel für den Sohnemann. Eigentlich wollten wir die Nacht in Riva verbringen, aber das Hotel, wo wir vor ein paar Jahren genächtigt hatten, hat einen derart überzogenen Preis aufgerufen, dass wir beschlossen, in Torbole im Hotel Geier zu nächtigen. Dort haben wir schon viele Male übernachtet und waren immer zufrieden. Torbole ist ja nur ein Katzensprung von Riva, quasi nur einmal außen rum um den Monte Brione…

Wir radelten also nach Torbole und checkten im Hotel Geier ein. Hier war alles wie gewohnt, die Zimmer waren sauber und der Service freundlich. Gunther hat noch schnell telefonisch einen Tisch im Surfers Grill fürs Abschlussessen reserviert. Dort waren wir auch schon öfters und wussten, dass die Qualität und der Service stimmen. Auch diesmal wurden wir dort nicht enttäuscht. Wir bewunderten den Kellner, der für drei ukrainischen Gören einen Fernseher zum Fußballschauen aufbaute und sich dabei unflätig rumkom­mandieren ließ, wäh­rend die Eltern dabei zusahen… Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie meine Eltern reagiert hätten, wenn ich mich so aufgeführt hätte. Kudos an den Kellner, dem bewundernswerterweise nicht die Hand ausgerutscht ist.

Nach dem üppigen Mahl gönnten sich Gunther und Seppl noch eine Tüte Eis auf die Hand, und dann verlangte die Tradition nach ein paar Caipirinhas (https://de.wikipedia.org/wiki/Caipirinha) in der brechend vollen Bar an der Hauptstraße. Eigentlich war es danach schon recht spät, aber es fühlte sich so an, als passte noch ein Kaltgetränk in unsere ausgemergelten Astralkörper. Und weil die nächst-gelege Schänke eine Pizzabude war, nahmen wir auch gleich noch eine Pizza Tonno mit und verhafteten die Mafia-Torte am Hafen. Um 1:30 Uhr war es dann aber Zeit für die Koje, und wir waren froh, dass wir gut aufgepasst hatten, als die Dame uns beim Check-In die Zugangsprozedur für den Nachteingang erklärt hat.


Samstag, 11. Juli 2026, Rückreise

Torbole (I) – Innsbruck (A) – Villach (A) – Bludenz (A)

Die Nacht war kurz, schon vor dem offiziellen Frühstücksbeginn um 7:30 Uhr warteten wir vor der Tür des Frühstücksraums auf Einlass. Kurz nach 8:00 Uhr sattelten wir auf und rollten zum Busparkplatz ein paar hundert Meter Richtung Riva. Zwei ausgewachsene Reisebusse, jeweils mit Anhänger sowie ein Ford Transit warteten schon auf Fahrgäste. Wir wurden für den Transit eingeteilt und hofften, dass das kleinere Fahrzeug zügiger und mit weniger Stopps unterwegs sein würde. Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht. Gerade auf der Autobahn angekommen, musste der ganze Konvoi auch schon wieder runter fahren, um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Anscheinend hat unser Fahrer bei dieser Gelegenheit einen Schaden an der Deichsel unseres Anhängers festgestellt. Jedenfalls telefonierte er für die folgenden Kilometer fast ununterbrochen mit der „Homebase“ um den Austausch des Anhängers irgendwo entlang der Strecke zu organisieren. Das hat auch geklappt, allerdings mussten dazu natürlich die Fahrräder von dem kaputten auf den neuen Hänger umgeladen werden. Als wir allerdings die defekte Deichsel sahen, waren wir froh, dass wir den Anhänger samt unserer Fahrräder nicht unterwegs verloren haben. Das Umladen kostete aber leider Zeit. Weiter ging es über den Brenner Richtung Innsbruck. Schon im Auto erzählte uns ein Mitreisender, dass ohne Fahrradreservierung spontan kein Zugticket nach Bludenz zu bekommen wäre. Ganz geglaubt haben wir das zwar nicht, aber etwas beunruhigt waren wir schon, als wir von dem Drop-Off-Parkplatz unterhalb der Schischanze zum Hauptbahnhof radelten.

Um 13:00 Uhr kamen wir dort an und wollten eigentlich den Zug um 13:15 Uhr ab Innsbruck nehmen, um nach Bludenz zu unseren Autos zu zuckeln… so der Plan. Aber schon am Ticket-Automat stellten wir fest, dass kein Fahr­radticket für diesen Zug verfügbar war, und auch nicht für die nächsten drei. Der freund­liche ÖBB-Mitar­beiter im Reise­zentrum schimpfte zwar wie ein Rohrspatz über die strategischen Ent­scheidungen seines Arbeitgebers hinsichtlich Rad- und Nahverkehr, konnte uns aber außer mit ein paar Gastronomie-Tipps zum Totschlagen der vier Wartestunden auch nicht weiterhelfen. Für den Zug um 17:15 Uhr ergatterten wir noch drei Fahrrad-Tickets. Also auf in die Stadt. In einem Biergarten am Ufer des Inns gönnten wir uns erstmal ein Bio-Bier, um unseren Frust runterzuspülen. Für Sightseeing war zwar mehr als genug Zeit, aber die drückende Hitze dämpfte unsere Unternehmungslust. So kauften wir uns Wurst und Brötchen und radelten zum Chillen in einen schönen, gut besuchten Park. Im Schatten der großen alten Bäume ließ es sich gut aushalten. Seppl ist nochmal losgezogen und kam mit einer Überraschungspizza Prosciutto zurück. So verging Zeit doch recht schnell. Um 16:30 Uhr radelten wir zurück zum Bahnhof, schließlich wollten wir diesen Zug auf keinen Fall verpassen. Der Zug war recht voll, aber pünktlich. Die Fahrzeit betrug etwa 1:45 Stunden. Um 19:00 Uhr kamen wir in Bludenz an. Vom Bahnhof zu unserem Parkplatz am Sportplatz hatten wir nur noch ein paar wenige Höhenmeter zu absolvieren.

Wir fanden unsere Autos eingestaubt aber unbeschadet vor. Nach dem Verladen der Räder löste ich mir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit noch ein Online-Pickerl. Meine Fahrt nach Ulm verlief ohne Zwischenfälle, und auch Seppl und Gunther sind gut zuhause angekommen.


Fazit:

Auch diese Tour bescherte uns wieder tolle Eindrücke und Erlebnisse. Die Reisezeit Anfang Juli hat sich auch dieses Jahr wieder bewährt. Zwar war auf den Trials einiges los, aber das lag wohl eher am Revier als an der Reisezeit. Schade war allerdings, dass wir die Uina-Schlucht umfahren mussten.

Das Wetter hat größtenteils gepasst. Und die extreme Hitze, an die wir uns wohl wegen dem Klimawandel unseren Breiten gewöhnen müssen, suchte Mitteleuropa erst ein paar Wochen später heim.

Schön war auch, dass wir dieses Jahr wieder zu dritt unterwegs waren.

Über die Entscheidung, ohne Papierkarten loszuziehen, lässt sich prima streiten. Ich würde vielleicht nächstes Jahr aufgrund der diesjährigen Erfahrungen eher für als gegen die Mitnahme von Karten stimmen… wenn der BMI passt.


Die nackten Zahlen


Das Höhenprofil


Übersichtskarte