MTB Schmugglertour
28.– 31.07.1996
Landeck (A) – Sesvenna (I) – Landeck (A)
213 km, 6120 hm, 4 Etappen
Sonntag,
28. Juli 1996, Erste Etappe
Landeck (A) – Neue Heilbronner Hütte (A), 54 km, 2240 m ↗, 760 hm ↘
Strecke: Landeck (807 m) – Sankt-Anton – Schönverwall – Neue Heilbronner Hütte
Vier Mountainbiker vom ADFC Köln traten Ende Juli 1996 zur Schmugglertour an. Gert, Michael, Andrew und Britta waren bei der MTB-Rundtour durch das Silveretta-Massiv, Vorarlberg und Tirol mit dabei.
A
m Sonntag, den 28.07.1996 ging es müsligestärkt früh morgens auf
die Piste. 26 Kilometer abgasgeschwängerte Landstraße nach Sankt
Anton standen zu Anfang auf dem Programm. Ab Sankt Anton ging es ab
in die einsame Bergwelt mit dem Etappenziel „Neue Heilbronner
Hütte“ auf 2327 Meter über NN. Sonnenschein und Regen gaben sich
ein abwechselndes Stelldichein, welches schlussendlich in einen
echten österreichischen Schnürli-Regen überging. Es ging bergauf,
und das nicht zu knapp. Die letzten 5 Kilometer verliefen auf Wegen,
die oft nicht fahrbar waren. Schieben und Tragen auf glitschigen
Pfaden war angesagt. Das mitgeführte Gepäck (circa 10-12 Kilogramm
pro Person) machte sich dabei unangenehm bemerkbar. Müde und völlig
durchnässt erblickten wir schließlich die ersehnte Hütte hoch über
uns. Endlich angekommen.
Bei Hüttenzauber in der gemütlichen Gaststube gab es das ersehnte warme Essen. Ein Trockenraum für die durchnässten Klamotten gab es auch. Das Massenlager unter dem Dach machte einen sauberen Eindruck.
Fazit des Tages: Ein Kettenriss, vier Murmeltiere, ein Adler, eine per Handy kontaktsuchende Sennerin im Geländewagen und 3 Hektoliter Regenwasser verteilt auf 4 Paar Wanderschuhe
Montag, 29. Juli 1996, Zweite Etappe
Neue Heilbronner Hütte (A) – Heidelberger Hütte (CH) 37 km, 1030 m ↗, 1050 hm ↘
Strecke; Neue Heilbronner Hütte – Zeinisjoch (1838 m) – Galtür – Ischgl (1350 m) Heidelberger Hütte (2264 m) -
Strahlender Sonnenschein begleitete uns auf der interessanten, geröllgespickten Abfahrt von der Neuen Heilbronner Hütte hinab zum Zeinisjoch auf 1838 Meter. Wir begegneten staunenden Wanderern, erfuhren Anfeuerungen und Ermutigungen. Aber auch Missbilligungen und unpassende Bemerkungen der wandernden Zunft säumten diesen Wegabschnitt.
Ein größerer PKW-Parkplatz muss wohl in der Nähe gewesen sein. Schnell weg hier war die Devise. Mit einem 12 km langen Downhill auf Asphalt bis Ischgl war das schnell erledigt. Hier bekamen wir endlich die nötige „Magenschmiere“ beim verspäteten Frühstück für den 1000 Höhenmeter langen, steilen Anstieg zur Heidelberger Hütte. Der Wegweiser versprach vier Stunden zauberhafte Bergwelt bis zu unserem Ziel. Die vielen Tropfen Schweiß, die uns dieser Aufstieg kosten sollte, verschwieg es aber. Platt wie `ne Flunder erreichten wir alle die Heidelberger Hütte.
Fazit des Tages: Ein gebrochener Flaschenhalter, erster kontrollierter Abgang vom Gerät (Sturz), 4 sonnenverbrannte Nasen.
Dienstag,
30. Juli 1996, Dritte Etappe
Heidelberger
Hütte (CH) – Sesvenna Hütte (I) 36 km, 1620 m ↗, 1630 hm ↘
Strecke: Heidelberger Hütte (2265 m) – Fimbapass (2607 m), Val Sinestra – Val D´Uina- Sesvenna Hütte (2256 m)
Ein schweres Gebirgsgewitter fegte in der Nacht über unsere Schlafstatt. Der morgentliche Blick aus dem Fenster fiel in ein verregnetes Einheitsgrau.
Zuerst stand der Aufstieg zum Fimbapass an. Diesen bewältigten wir zum großen Teil schiebend und auch tragend. Auf der Passhöhe fing es zu allem Überfluss auch noch an zu schneien. Der Abstieg zur Alpe Chöglias gestaltete sich schwierig und kraftraubend. Anschließend fuhren wir auf schmalem Wanderpfad abwechselnd rechts oder links des Gebirgsbachs abwärts, bis wir oberhalb vom Val Sinestra auf einen glatten, breiten Fahrweg trafen. Dieser führte uns zum netten Örtchen Vna. Auf der dann folgenden Abfahrt ging es mit bis zu 70 km/h hinunter ins Inntal. Über 1400 Höhenmeter haben wir dabei verloren, bevor es bergauf ins Uina-Tal zum weit entfernten und hoch gelegenen Etappenziel, der Sesvenna-Hütte ging. Die abwechselnd steile Fahrstraße und anstrengenden Schiebepassagen, immer entlang dem atemberaubenden Gebirgsbach, bleiben uns sicher lange in Erinnerung. Nach einer weiten Almwiese gelangten wir zur großartigen Uina-Schlucht. Ein steil in den Fels gesprengter Saumpfad mit Tunnel und Galerien über zirka 2 bis 3 Kilometer Länge hoch über dem Uina-Bach faszinierte uns Mountainbiker. Die lange Weiterfahrt über den Schlinig-Pass schafften wir alle mit letzter Kraft.
M
ittwoch, 31. Juli 1996, Vierte Etappe
Sesvenna Hütte (I) – Landeck (A) 86 km, 1230 m ↗, 2680 hm ↘
Sesvenna Hütte (2256 m) – Burgeis – Etschtal – Reschenpass – Nauders – Inntal - Landeck
Die gesamten am Vortag erkämpften Höhenmeter ging es heute wieder bergab. Zuerst auf einem kniffligen, sehr steilen und steinigen Fahrweg, der letztendlich auf eine Asphaltstraße führte. Diese gewährte uns traumhafte Ausblicke ins Val D´Adige. In Burgeis begann die lange Auffahrt auf den Reschenpass. Nach mehreren Grenzüberschreitungen erreichten wir über rasante, kehrenreiche Abfahrten das Inntal. 45 km Asphaltstraße bis Landeck schlossen sich an. Unsere inzwischen antrainierte Kondition ließ es zu, dass wir die für den nächsten Tag geplante Etappe vorwegnahmen und zum Abendessen wieder in der Landecker Pizzeria saßen: Vier Tage Bergwelt und Mountainbiken, das war eine großartige Kombination.
Die nackten Zahlen
Das Höhenprofil
Die Übersichtskarte